Das ist Norderstedts Geschichte

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Michael Schick

Archivar Manfred von Essen hat 60 historische Fotos zusammengestellt, die das Leben um 1900 widerspiegeln.

Norderstedt. "Es ist immer wieder zu hören, dass Norderstedt eine Stadt ohne Geschichte ist", sagte Lutz Nahke (60), Manager des Herold-Centers. Mit einer Ausstellung will er das Gegenteil beweisen. Stadtarchivar Manfred von Essen (51) hat 60 historische Fotos zusammengestellt, die zeigen, wie es in den vier Ursprungsgemeinde Norderstedts zwischen 1900 und 1920 aussah. Die Dokumente sind im Obergeschoss des Norderstedter Einkaufszentrums zu sehen. Manfred von Essen hat kurze Texte zu den Bilden verfasst.

"Für uns ist das eine gute Möglichkeit, die Stadtgeschichte einem breiten Publikum bekannt zu machen", sagt der Stadtarchivar. Zwar sei eine Auswahl der Fotos auch im Stadtmuseum am Friedrichsgaber Weg und immer mal wieder in einzelnen Ausstellungen zu sehen. Doch die Besucherzahlen des Herold-Centers lägen deutlich höher.

Bei der Auswahl der Fotos hat von Essen darauf geachtet, dass die vier Vorläufer Norderstedts - Garstedt, Glashütte, Harksheide und Friedrichsgabe - etwa gleich stark vertreten sind. Prägend für die Zeit vor rund 100 Jahren war das bäuerliche Leben. Die Landwirte hatten es allerdings nicht leicht. Der Sandboden der Harksheide war mager und wenig fruchtbar. Etwas mehr gaben die Böden in Garstedt her. Die Gemeinde war lange die wirtschaftlich stärkste unter den vier Ursprungsgemeinden.

Viele Menschen verdienten ihr Geld mit dem Torfstechen

Ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor war der Torfabbau. Viele Menschen verdienten ihr Geld mit dem Torfstechen in den Moorgebieten. Sie zogen die Torfstücke auf einem hochrädrigen Karren, dem so genannten Steertpogg, nach Hamburg. "Gerade für die unteren Schichten war der Torfabbau lebensnotwendig", sagt von Essen. Mit dem Aufkommen von Kohle und Öl sank die Bedeutung des Torfs als Brennstoff in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Um 1850 hatte Garstedt 940 Einwohner und auch die meisten Handwerker. Schmiede, Krüger (Gastwirte) und Höker (Kaufmannsladen) bestimmten das Bild in den Gemeinden. 1887 ließ Johannes Meyer auf dem höchsten Punkt Garstedts eine Windmühle errichten. Sie brannte 1925 ab, Meyer baute sie an der Ecke Ohechaussee/Ochsenzoller Straße wieder auf. Reste stehen dort noch heute.

Je mehr Menschen in den Orten lebten, desto stärker entwickelte sich die staatliche Infrastruktur. Die Landbriefträger legten jeden Tag 40 Kilometer zurück, fast die Strecke eines Marathonlaufes. 1902 startete der Wachtmannsche Pferdeomnibus, der zwischen Eppendorf und Ochsenzoll pendelte. Der berittene Gendarm Friedrich Jahn, der 1890 seinen Dienst aufnahm, war der erste Polizist im heutigen Norderstedt.

Zweites Standbein der Ausstellung im Herold-Center sind die historischen Fotoapparate des Norderstedter Sammlers Ernst Treimer (69). Der ehemalige Architektur- und Werbefotograf zeigt 170 Kameras aus seiner Sammlung. Das älteste Exponat stammt von 1860.

Die Ausstellung "Fotohistorie aus Norderstedt" ist noch bis zum 14. Februar im Herold-Center zu sehen. Anschließend erhält das Stadtmuseum die Fotos, die das Center reproduziert und vergrößert hat, als Geschenk. "Wir hoffen zudem, dass die Präsentation Bürger dazu bewegt, alte Fotos oder Dokumente dem Stadtarchiv zu überlassen", sagt von Essen.

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