Norderstedt

Hier wachsen Äpfel und Birnen am Wegesrand

Wakendorf II: Europas längster Obstgehölz-Lehrpfad lädt zu Spaziergängen ein.

Wakendorf II. Königin Viktoria gibt sich in Wakendorf II ebenso die Ehre wie Prinz Albert von Preußen. Dort sind auch Annabella und Marti- ni anzutreffen. Und auch Mac Intosh Rogers und die Champagnerrenette haben hier ihren Stammplatz. Diese Namen gehören zu Apfelbäumen, die am Wegesrand wachsen - am längsten Obstgehölz-Lehrpfad Europas. Als die Strecke der EBO-Eisenbahn 1973 zwischen Henstedt-Ulzburg und Bad Oldesloe stillgelegt wurde, entstand auf der ehemaligen Bahntrasse ein Rad- und Wanderweg, der von Joggern, Spaziergängern und Radfahrern gern genutzt wird. Entlang der 23,7 Kilometer langen Strecke pflanzte der Naturschutzring Segeberg 1996 Bäume - 163 Hochstämme alter Obstsorten. Neben Äpfeln rei- fen auch Kirschen, Birnen und Zwetschgen heran: Naschen erlaubt! Wegen der Trocken- heit tragen die Bäume in diesem Jahr allerdings nur wenige Früchte. "Die alte Bahntrasse ist historisch eine Rarität, und der Lehrpfad mit den Obstgehölzen ist ein einmaliges Projekt", sagt Monique Völkner (25) vom Naturschutzring. Dass es der längste Obstgehöz-Lehrpfad Europas ist, hat die Naturfreundin bei umfangreichen Recherchen herausgefunden. "Ein ähnlicher Pfad in Bayern ist knapp 20 Kilometer lang", sagt sie. Allein auf dem Teilabschnitt in Wakendorf II stehen 93 Obstbäume. Und diesen Abschnitt pflegte der Naturschutzring jetzt zwei Wochen lang intensiv mit ABM-Kräften und Sozialhilfeempfängern und erneuerte wesentliche Teile. Bei den Bäumen wurden neue Informationsschilder angebracht, die den Spaziergängern Auskunft über Sorte, Herkunft und besondere Merkmale der Äpfel, Birnen, Zwetschgen und Kirschen geben. Am Anfang des Wakendorfer Abschnitts wurden informative Begrüßungsschilder aufgestellt. Sie erinnern an den Bau der Bahnstrecke vor gut 100 Jahren, zeigen ein Foto vom alten Wakendorfer Bahnhof und den Streckenverlauf. Die Pflegearbeiten waren notwendig geworden, weil es immer wieder Zerstörungen gegeben hatte. So mussten auch zahlreiche Stützböcke für die Bäume erneuert werden, fünf neue Bäume werden im Oktober gepflanzt. Monique Völkner bedankte sich bei Wakendorfs Bürgermeister Hans-Hermann Schütt (54), dass die Gemeinde mit ihren 1360 Einwohnern sich an dem Pflegeprojekt beteiligt hat. Und sie hofft, dass andere Orte entlang des Lehrpfads dem Beispiel folgen. Sülfeld hat schon Informationsschilder bestellt, aber für neue Bäume fehlt das Geld.