Norderstedt

Heinkel - Darauf fahren nicht nur die Damen ab . . .

Kaltenkirchen. Das waren noch Zeiten. 1959, daran erinnert sich der Kaltenkirchener Malermeister Heiko Ungethüm (64) ganz deutlich, mussten die jungen Männer nur mit dem Zündschlüssel spielen, um die Aufmerksamkeit der jungen Damen zu erregen. Der Motorroller Heinkel Tourist war schon etwas ganz Besonderes. Heute ist das zwar Vergangenheit, aber längst nicht vergessen. Vor allem nicht bei den gut 500 Heinkel-Freunden, die am Wochenende auf dem Festplatz in Kaltenkirchen zum Jahrestreffen des Heinkel-Clubs Deutschland zusammen kamen und ihre liebevoll restaurierten Maschinen präsentierten. Heiko Ungethüm, Vorsitzender der Hamburger Heinkel-Freunde, war der Organisator der viertägigen Veranstaltung. Die Roller-Vergangenheit des Kaltenkircheners unterscheidet sich kaum von der vieler anderer Teilnehmer des Treffens. 1959 wurde der erste Heinkel Tourist angeschafft. Mit Freundin Karin auf dem Sozius ging es am Wochenende zum Tanzen. Später wurde aus der Freundin die Ehefrau. Als dann das erste richtige Geld verdient wurde, kam das Auto - aber die Sehnsucht nach dem Roller blieb. 1991 erfüllte sich Heiko Ungethüm dann den Traum seines Lebens: Er kaufte sich für 2300 Mark wieder einen Heinkel-Roller, steckte aber noch einmal 4000 Mark hinein, um ihn völlig zu restaurieren. Seitdem ist er bei jedem Jahrestreffen der Heinkel-Freunde mit Begeisterung dabei. Und Ehefrau Karin (61) sitzt heute mit eben solcher Freude auf dem Sozius wie vor 44 Jahren. "Das ist die reinste Erholung", schwärmt der Kaltenkirchener, der zweieinhalb Jahre gebraucht hat, um das Treffen auf dem Kaltenkirchener Festplatz zu organisieren. Mit dem Roller zum Nordkap Heiko Ungethüm ist das Paradebeispiel eines Heinkel-Fans: Fahrer und Fahrzeug sind zusammen gut 100 Jahre alt. Das ist die Faustregel, die fast immer zutrifft. Aber es gibt auch Ausnahmen: Stefan Tödt aus Ahrensbök ist erst 35 Jahre alt und ebenfalls ein Heinkel-Fahrer. Auf ihn verweisen die Clubmitglieder aus der Region Hamburg nicht ohne Stolz. Denn er hat es fertig gebracht, mit dem Roller dreimal zum Nordkap zu fahren. Das ist Abenteuer pur. Weil die Viertakt-Motoren unverwüstlich sind, konnte er diese Fahrten ohne größere Pannen überstehen. Nicht nur Roller waren in Kaltenkirchen zu bestaunen, sondern auch Kabinenroller von Heinkel. Gleich zehn davon kamen aus Schweden: Eine komplette Jazzband hatte sich auf den Trip nach Kaltenkirchen gemacht. Sie unterhielten die 500 Teilnehmer des Treffens am Sonnabend während der Hafenrundfahrt in Hamburg mit flotter Musik. Weitere Teilnehmer des Treffens kamen aus Holland und Norwegen. "Wir sind alle gleich verrückt", kommentierte Reiner Soppa (43) aus Filberstadt, Vorsitzender des Heinkel-Clubs Deutschland, die Leidenschaft der Mitglieder.