Per Karawane durch die Heide

Kamele: Bei Soltau werden die Wüstenschiffe gezüchtet. Vor 15 Jahren kam das erste Tier nach Hiddingen. Heute sind 17 Kamele für Touren im Stall.

Hiddingen. Der Sahara-Sommer hat sich im Norden festgesetzt, da paßt eine Kameltour durch die Lüneburger Heide fast schon ins Bild. Im beschaulichen Heidedörfchen Hiddingen, einem Ortsteil von Visselhövede bei Soltau, lagert Norddeutschlands einzige Kamelherde, gleich hinter dem Haus von Andreas und Beke Marquard (beide 35). Seit 15 Jahren hält das Ehepaar die Tiere - damals ging ein Kindheitstraum in Erfüllung: "Mein Vater war Landwirt, wir hatten alle möglichen Vierbeiner auf dem Hof. Aber das genügte nicht: Ich wollte ein Kamel", sagt Andreas Marquard. Dabei war der Start mit den exotischen Tieren nicht einfach: "Als wir das erste Trampeltier nach Hause holten, gehorchte es überhaupt nicht. Das spuckte uns nur an, wir bekamen es kaum vom Hänger", erinnert sich seine Frau an ihre erste Begegnung mit einem lebenden Kamel. Inzwischen ist auch sie von den großen Säugetieren begeistert: "Sie sind ungeheuer geduldig und ausgeglichen." Robust und anpassungsfähig sind sie obendrein: "Krankheiten tauchen kaum auf", erklärt Andreas Marquard. 30 Tage kommt ein Kamel ohne Nahrung aus, Wasservorräte zwischen 100 und 150 Liter kann das Tier speichern. Diese Kunststücke müssen die Trampeltiere und Dromedare in Hiddingen aber gar nicht vollbringen - sie werden regelmäßig mit Gras, im Winter mit Heu und Stroh - gefüttert. Das Futter baut Andreas Marquard selber an - und wenn sich Urlauber oder Besuchergruppen anmelden, bietet er auch geführte Karawanentouren durch die Umgebung. "Vorkenntnisse braucht man nicht, unsere Ausflüge schafft jeder", sagt Beke Marquard, die als Vermessungstechnikerin arbeitet und nebenbei zu Norddeutschlands einziger Karawanenführerin geworden ist. Auf Kinderfesten und Geburtstagen in der Region treten die Wüstenschiffe auf: "Etliche Junggesellen mußten schon an ihrem 30sten rauf aufs Kamel", lacht Beke Marquard, die sogar an Kamelrennen teilnimmt: Im vergangenen Jahr belegte sie in Hamburg den ersten Platz, obwohl sie niemals reiten gelernt hat: "Ich kletter einfach auf alles rauf, was hoch genug ist und vier Beine hat", sagt sie. Berührungsängste kennen ihre Kinder ebensowenig wie sie: Weder Sohn Marten (5) noch seine Schwester Fee (7) haben Scheu vor Kamelen. Satteln, füttern und tränken - alles kein Problem. Auch das deutsche Klima bereitet keine Schwierigkeiten: "In der Sahara friert es nachts auch gelegentlich, der deutsche Winter schreckt die Tiere nicht. Nur auf die Fußpflege muß man achten, sonst kann es Schwielen geben", erklärt die Kamelbesitzerin. Daß sie kaum Freizeit und noch seltener Urlaub haben, stört die Familie nicht: "Es sind einfach faszinierende Tiere. Wir haben die Anschaffung nie bereut."

  • Info: www.kamelfarm.de oder Tel. 04262/86 31 .