Rentner zu Höchststrafe verurteilt

Lebenslang für Gifhorner Kleingarten-Morde

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Ein Streit über einen Haufen Reisig wurde zum Auslöser für den Dreifachmord in einer Kleingartenkolonie. Wer zu einem derart brutalen Verbrechen fähig ist, gehöre lebenslang ins Gefängnis, entschieden die Richter..

Hildesheim. Der weißhaarige Mann sitzt mit geschlossenen Augen auf der Anklagebank – es scheint, als würde er seelenruhig schlummern, wie ein erschöpfter alter Mann, der mit sich im Reinen ist. Dabei ist der 66-Jährige soeben vom Landgericht Hildesheim wegen Mordes an drei Gartennachbarn zur Höchststrafe verurteilt worden: Lebenslange Haft mit besonderer Schwere der Schuld. Damit wird der Rentner und jahrzehntelange Hobbygärtner das Gefängnis wohl nicht mehr lebend verlassen. Statt seinen Lebensabend nach 40 Jahren als VW-Arbeiter in der idyllischen Kleingartenanlage in Gifhorn zu genießen, drangsalierte er seine Laubenpächter immer wieder wegen Nichtigkeiten.

„Er betrachtete die Gartenanlage als sein Herrschaftsgebiet und bestimmte was richtig und was falsch war“, sagt der Vorsitzende Richter Ulrich Pohl in der Urteilsbegründung. Als die Kleingärtner das jahrelange „selbstherrliche Verhalten des cholerischen, rechthaberischen Mannes“ nicht mehr klaglos hinnahmen, spitzte sich die Lage zu, bis sie schließlich in dreifachem Mord gipfelte. Der Angeklagte lauerte im vergangenen Herbst einem 33-Jährigen in einem Gebüsch in der Gartenanlage auf und zerschmettert ihm den Schädel. Auch die zu Hilfe eilenden 59 und 64 Jahre alten Eltern des Mannes erschlägt er mit einem dicken Eichenknüppel. Der Auslöser war ein mannshoher Haufen Reisig, der vor dem Gartentor des Angeklagten lag. Anders als der Rentner annahm, waren dafür nicht die späteren Opfer verantwortlich, sondern ein anderer Gartennachbar.

Fast 30 Jahre kannte die getötete Familie ihren Mörder, von dem sie Anfang der 1980er Jahre eine Gartenparzelle gepachtet hatte. Anfangs verstanden sie sich gut, bewirtschafteten ihre Kleingärten friedlich nebeneinander – der Sohn des Angeklagten spielte in Kindertagen sogar mit den drei Brüdern der Nachbarn in den Schrebergärten. „Dies änderte sich als der Angeklagte 2001 in Frührente ging und nun täglich im Garten war“, erläutert Pohl. Von da an kontrollierte er alles und jeden auf seinem Grundstück. Es gab Streit wegen überhängender Äste, Gartenabfällen und Ruhestörung. Später standen ausgerechnet die drei Lauben seiner Hauptkontrahenten in Flammen, in einer verbrannten qualvoll dutzende Kaninchen. Nach Überzeugung der Kammer heute ein Werk des Angeklagten, die damaligen Ermittlungen wurden jedoch eingestellt.

„Hoffentlich lernen andere daraus“, kommentierte der ältere Sohn des ermordeten Ehepaares das Urteil, der gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder als Nebenkläger den Prozess verfolgt hat. Die Strafe sei gerechtfertigt und helfe, den Verlust der Eltern und des Bruders zu verarbeiten. Nicht vergessen kann der Jüngere allerdings das zur Schau getragene gelassene Verhalten des Angeklagten. „Er fühlt sich immer noch im Recht.“

( dpa/lni )