Beamter plündert Konten von Kindern

Jugendamt-Betreuer kassiert bei fast 580 Straftaten mehr als 400 000 Euro

Göttingen. Ein Beamter des Göttinger Jugendamts soll jahrelang die Konten und Sparbücher von Kindern und Jugendlichen geplündert haben. Der 56-Jährige hat nach Angaben des "Göttinger Tageblatts" insgesamt mehr als 400 000 Euro veruntreut. "Dem Mann werden in der Anklage knapp 580 Straftaten vorgeworfen", sagte der Sprecher der Göttinger Staatsanwaltschaft, Hans Hugo Heimgärtner.

Der mittlerweile vom Dienst suspendierte Mitarbeiter war amtlich eingesetzter Vormund, Betreuer oder Beistand von Waisen und Halbwaisen. In dieser Funktion hatte er auch Konten, Sparbücher und Erbschaften zahlreicher seiner Schützlinge zu verwalten.

Doch statt in ihrem Interesse zu handeln, bediente er sich an den Unterhaltszahlungen. Nach Angaben der Anklage veruntreute der Mann das Geld von 54 der ihm anvertrauten Kinder und Jugendlichen und finanzierte sich damit seinen luxuriösen Lebensstil. Er soll sich unter anderem teure Uhren und Autos geleistet haben. Die Ermittler werfen ihm Betrug, Untreue, Computerbetrug, Diebstahl und Urkundenfälschung vor.

Von den Konten der Schützlinge habe der Beamte immer wieder Beträge von jeweils mehreren Hundert Euro abgehoben, sagte Oberstaatsanwalt Heimgärtner. Größere Vermögen, die er zu betreuen hatte, habe er auf verschiedene Konten umgeleitet und das Geld dann ebenfalls für sich verwendet.

Die Machenschaften des 56-Jährigen waren aufgeflogen, nachdem ein vom ihm betreuter Jugendlicher volljährig geworden und auf ein ihm bis dahin unbekanntes Konto gestoßen war. Als er die Unterlagen genauer in Augenschein nahm, entdeckte er die Unregelmäßigkeiten.