Lohndumping und Leiharbeit bei der Kirche

Diakonie-Direktor droht Altenhilfe-Gesellschaften jetzt mit Ausschluss

Hannover. Ausgerechnet die Diakonie als große Sozialeinrichtung der Evangelischen Kirche ist in Niedersachsen unter Druck geraten wegen des Verdachts des Lohndumpings und der Leiharbeit. Diakonie-Direktor Christoph Künkel hat am Freitag in Hannover die Flucht nach vorn angetreten. Er droht Altenhilfe-Gesellschaften mit dem Ausschluss aus der Diakonie. Es wäre dann das erste Mal nach rund zehn Jahren, dass die Diakonie zu diesem letzten Mittel greift.

Nach einer vorangegangenen Insolvenz zahlt etwa das Wichernstift Ganderkesee nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di nur noch Dumpinglöhne in einer Auffanggesellschaft. Und die Diakonische Altenhilfe in Lilienthal bei Bremen beschäftigt Personal auf dem Umweg über eine Tochterfirma. Dazu sagt der Diakonie-Chef: "Leiharbeit geht nicht." Künkel hält die generelle Kritik der Gewerkschaft Ver.di an der Bezahlung der Pflegekräfte durch die Diakonie für unberechtigt: "Unsere Abschlüsse liegen 20 bis 30 Prozent über den Tarifabschlüssen mancher nicht-kirchlicher Wohlfahrtsverbände."

Die Grünen-Fraktion im niedersächsischen Landtag macht die Landesregierung mitverantwortlich für die Misere in der Altenpflege. Die vom Sozialministerium mit den Pflegekassen ausgehandelten Pflegesätze lägen um bis zu 20 Prozent unter denen anderer Flächenländer: "Das beschleunigt die Ausbreitung von Dumpinglöhnen und den Ausstieg aus dem Tarifsystem."

( (fert) )