Abendblatt-Interview

Verkehrsminister will "Fehmarn 21" verhindern

Foto: Roland Magunia

Im Norden aus "Stuttgart 21" lernen: Peter Ramsauer (CSU) fordert mehr Bürgerbeteiligung bei der Planung der Bahntrasse an der Ostsee.

Hamburg. Nach den monatelangen Demonstrationen gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 fürchtet Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) entsprechende Proteste in Schleswig-Holstein gegen die geplante Fehmarnbeltquerung. Ramsauer fordert im Abendblatt-Interview, die betroffenen Bürger bei dem Großprojekt stärker einzubeziehen. "Meine dringende Empfehlung wäre, aus Stuttgart 21 zu lernen und die Betroffenen in Schleswig-Holstein durch Information und Kommunikation zu Beteiligten zu machen", sagte Ramsauer.

Jenseits der formalen Planungsverfahren, die es auch in Stuttgart gegeben habe, müsse eine wesentlich breitere Kommunikation betrieben werden, mahnte der Minister an. Konkret sprach er sich dafür aus, die Bürger bei der Hinterlandanbindung mitentscheiden zu lassen. "Ich bin dafür, die Bürger an der Planung der Trasse von Lübeck nach Puttgarden zu beteiligen. Wir müssen in vielen Gesprächen die Bedeutung der Fehmarnbeltquerung für die regionale Wirtschaft hervorheben und deutlich machen: Das Projekt ist eine große Chance", so Ramsauer. Eine Proteststimmung wie in Stuttgart, die den Querungsbau zu einem "Fehmarn 21" machen könnte, aber auch eine Schlichtung wie in Stuttgart will der Minister bei dem Fehmarn-Projekt vermeiden: Wenn ein Vorhaben gut vorbereitet werde, komme es gar nicht zu solchen Reparaturaktionen. Es müsse möglich bleiben, Großprojekte in Deutschland zu realisieren.

Die Fehmarnbeltquerung zwischen Puttgarden auf der Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland soll 2018 ihren Betrieb aufnehmen. Noch ist nicht entschieden, ob eine Brücke oder ein Tunnel die 19 Kilometer lange Meerenge queren wird. Dänemark wird den Bau finanzieren, Deutschland übernimmt die Kosten für die Hinterlandanbindung auf Straßen und Schienen. Die Kosten der Querung sollen sich inzwischen auf 5,5 Milliarden Euro belaufen. Die deutsche Seite rechnet mit 800 Millionen Euro für die Anbindungen. In Ostholstein, etwa in den Badeorten Timmendorfer Strand und Scharbeutz, ist es bereits zu Protesten gekommen. Die Gegner des Milliarden-Projekts halten die Querung ökologisch für riskant, befürchten wegen des starken Zugverkehr-Lärms große Nachteile für den Tourismus. Landwirte fürchten den Verlust ihrer Flächen beim Bau der Bahntrasse.

Ramsauer betonte: "Ich kenne die Probleme, und die Kanzlerin ist auch schon damit konfrontiert worden." Er machte deutlich, dass die Bundesregierung an dem Bauvorhaben festhält. "Die Fehmarnbeltquerung ist ein Verkehrsprojekt von europäischem Rang." Der Bund habe sich verpflichtet, für die Anbindung an das deutsche Hinterland zu sorgen - unabhängig von der Entscheidung der Dänen für eine Brücke oder einen Tunnel.

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