Bischof sieht die Kirche als Sünderin

Franz-Josef Bode hält bei den sexuellen Missbrauchsfällen nicht nur Priester für schuldig

Osnabrück. Als Reaktion auf die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche trat der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode am Sonntagabend als demütiger Sünder auf. Zu Beginn des Bußgottesdienstes legt er sich vor dem Altar nieder. Diese Geste ist ein Zeichen der totalen Unterwerfung unter Gott. Bode ließ in dem Gottesdienst keinen Zweifel an seiner Sicht der Dinge: Nicht nur einzelne Priester und Laien tragen Schuld an vielen sexuellen Missbrauchsfällen. Auch die Kirche als Institution steht als Sünderin da.

Bode spricht in dem Gottesdienst von einer "tiefen Krise der Kirche", von den "Dunkelheiten und Schattenseiten" und einer Atmosphäre, die die Verschleierung solcher Taten oft ermöglichte. Allein in seinem Bistum sind 28 Fälle bekannt geworden.

Bode ist der erste deutsche Bischof, der in diesem Skandal in einem Bußgottesdienst ein Schuldbekenntnis ablegt. Der Osnabrücker Bischof sei damit eine "bemerkens- und lobenswerte" Ausnahme, sagt Christian Weisner von der kritischen Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche". Die katholische Amtskirche in Deutschland tue sich nach wie vor eher schwer damit, auf den Skandal angemessen zu reagieren. Da sei der Papst weiter als einige der Bischöfe hierzulande: Benedikt XVI. hatte im Sommer die Missbrauchsopfer öffentlich um Vergebung gebeten.

( (dpa) )