84 gefährliche Straftäter in Niedersachsen auf freiem Fuß

Hannover. In Niedersachsen leben zurzeit 84 "akut rückfallgefährdete" Straftäter in Freiheit. 121 aus der Haft bereits Entlassene werden zudem als latent rückfallgefährdet eingestuft, teilte das Innenministerium am Freitag in Hannover mit. Nach jüngsten Zahlen vom 15. Juli waren 284 Ex-Häftlinge in der ungefährlichsten Kategorie verzeichnet.

Seit November 2007 gibt es in Niedersachsen ein spezielles Programm zur Kategorisierung von rückfallgefährdeten Straftätern, "Kurs" genannt. Die 84 Männer und Frauen müssen hohe Auflagen erfüllen.

Der Sexualstraftäter, der in der vergangenen Woche aus Baden-Württemberg zunächst nach Niedersachsen gezogen war, gehört auch zu den "akut rückfallgefährdeten Straftätern". Weil die Betreuungseinrichtung in Bad Pyrmont nicht geeignet war, wurde der Mann inzwischen in eine geheim gehaltene Einrichtung außerhalb Niedersachsens verlegt.

Landesweit sind 489 Menschen in dem "Kurs"-Programm registriert, das von den Ministerien für das Innere und Justiz koordiniert wird. Die Aufnahme ist zwingend an eine sogenannte Führungsaufsicht gekoppelt. Dies ist eine Form des Maßregelvollzugs und wird entweder mit dem Urteil oder bei der vorzeitigen Entlassung auf Bewährung verhängt. Sie gilt für fünf Jahre, kann aber unbeschränkt verlängert werden.

In die Führungsaufsicht kommen nicht automatisch alle Sexualstraftäter. "Dies ist eine Einzelfallentscheidung des Gerichts und abhängig von der Tat oder des Täterprofils", sagte ein Sprecher des Justizministeriums. Derzeit sitzen landesweit etwa 400 Sexualstraftäter in niedersächsischen Gefängnissen. Im Vorjahr registrierte die Polizei landesweit mehr als 5100 Sexualstraftaten. In 1254 Fällen wurden Kinder sexuell missbraucht. Angaben zur Rückfallquote in dem "Kurs"-Programm konnte das Innenministerium nicht machen.