Welfenprinz: Anwalt kündigt Revision an

Prügelei: Ernst August muss 200 000 Euro zahlen

Hildesheimer Richter mildert Urteil aus erster Instanz ab und kritisiert alle Prozessbeteiligten: In diesem Verfahren gebe es nur Verlierer.

Hildesheim. Richter Andreas Schlüter muss es geahnt haben: Deutsche Gerichtssäle, so beschwor er die Prozessparteien bei seiner Urteilsbegründung gestern, eignen sich nicht "für ehrengerichtsähnliche Verfahren". Aber Anwalt Hans Wolfgang Euler wollte wohl nicht hinhören im Hildesheimer Landgericht: Unmittelbar nach der milderen Verurteilung von Ernst August Prinz von Hannover wegen einfacher Körperverletzung kündigte Euler Revision an.

Dabei ist der Welfenprinz gestern einen Makel losgeworden: Das Landgericht Hannover hatte ihn 2004 noch wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt - 178 Tagessätze zu 2500 Euro. Er hatte nach Überzeugung des Gerichts im Januar 2000 auf der kenianischen Ferieninsel Lamu den deutschen Hotelier Josef Brunlehner krankenhausreif geprügelt.

Damit galt der Prinz als vorbestraft - bis er 2008 die Wiederaufnahme des Verfahrens durchsetzte. Die neue Verurteilung fällt mit 40 Tagessätzen zu 5000 Euro so viel niedriger aus, weil das Gericht dem Opfer und Nebenkläger im Prozess, dem Hotelier Brunlehner, nicht mehr glaubt. Der Mann, stellte Richter Schlüter fest, habe sich bei seinen Vernehmungen "als der beste Zeuge der Verteidigung" herausgestellt, seine Verletzungen vor laufenden Fernsehkameras dramatisch übertrieben - inklusive Krankenhausaufenthalt.

Aber auch dem Prinzen glaubte das Gericht nicht jedes Wort: "Wir waren nicht in der Lage, uns für eine der Versionen zu entscheiden." Das aber führte dazu, dass die weniger schwere Straftat angenommen wurde. Wobei der Vorsitzende Richter der Strafkammer diese Feststellung mit einer verbalen Ohrfeige für den Welfen verband. Von symbolischen Ohrfeigen, wie vom Prinzen gestanden, aus Ärger über die laute Diskothek des Hoteliers, könne keine Rede sein: "Er versetzte ihm in rascher Abfolge zwei kraftvolle Ohrfeigen, nicht dezent, aber auch nicht hemmungslos brutal." Unbestritten ist des Prinzen Kommentar, als er zuschlug: "One for the music und one for the light."

Und noch einen Vorwurf ersparte der Richter gestern Ernst August nicht. Er habe die Auseinandersetzung regelrecht hochstilisiert zu einer Frage der Ehre, sei dann aber trotz Bitten des Gerichts nicht bereit gewesen, sich einer Vernehmung zu stellen: "Kann man nicht großen persönlichen Einsatz verlangen, wenn es um eine Frage der Ehre geht?" Und er rieb dem Prinzen unter die Nase, sogar seiner Ehefrau Caroline die Vernehmung zugemutet zu haben.

Auf Straffreiheit für seinen Mandanten wegen der öffentlichen Demütigung durch den zehnjährigen Prozessmarathon hatte Verteidiger Euler plädiert. Ein solcher Verzicht auf Bestrafung sei nur in ganz seltenen Ausnahmefällen denkbar, belehrte ihn der Richter - etwa bei einer Mutter, die aus Versehen ihr eigenes Kind überfahre und töte. Und der Richter, der 26 Verhandlungstage lang auch scharfe Attacken der Verteidiger und immer neue Beweisanträge lächelnd hingenommen hatte, erinnerte noch einmal an den ersten Verhandlungstag im Juni 2009. Da machte Schlüter den Vorschlag, das Verfahren gegen Zahlung einer hohen Geldbuße einzustellen, aber die Verteidigung war dafür nicht zu haben. Kommentar des Richters gestern: "Es gibt eigentlich keine Sieger, alle Parteien sind als Verlierer einzustufen."

Und auch wenn die neue Strafe jetzt unter der Grenze für Eintragungen in ein Führungszeugnis liegt, so ist der Prinz doch künftig mit zwei Einträgen im Bundeszentralregister für Strafsachen präsent: Vor Jahren hat er in Österreich schon mal 80 Tagessätze zu 500 Euro kassiert wegen fahrlässiger Körperverletzung - er war zu schnell gefahren und hatte einen Autounfall mit Personenschaden verursacht.