Prozess um Flirt-SMS-Abzocke

Zeugin: Briefkastenfirmen sollten SMS-Chats tarnen

Kieler Landgericht setzt den Prozess um die millionenfache Abzocke mit Flirt-SMS fort. Eine Zeugin berichtete von Briefkastenfirmen.

Kiel. Die am Landgericht Kiel angeklagten Betreiber von Flirt-SMS-Chats haben nach Angaben einer Zeugin mit umfangreichen Maßnahmen ihre Geschäfte verschleiert. Sie hätten eine Vielzahl von Briefkastenfirmen in Norddeutschland und England betrieben, über die die Chats im Franchise-Verfahren gelaufen seien, sagte die frühere Mitarbeiterin der Hauptangeklagten am Dienstag vor dem Kieler Landgericht. In dem Prozess um eine millionenfache Abzocke mit Flirt- SMS müssen sich drei Betreiber von Call-Centern und deren drei Gehilfen wegen gewerbsmäßigem Bandenbetrug und Beihilfe dazu verantworten. Sie sollen über SMS-Chats rund 700 000 Handy-Nutzer um gut 46 Millionen Euro geschädigt haben.

Die von ihr bearbeiteten täglichen „Berge von Post“ hätten sie und andere Mitarbeiter nicht auf Firmencomputern speichern dürfen, sondern auf USB-Sticks, die sie mit nach Hause nehmen mussten, sagte die 50-jährige Zeugin aus. „Es bestand die Anweisung, dass nichts im Betrieb verbleiben durfte, weil es schon mal eine Razzia gegeben hatte.“ Im Dezember 2006 wurden in Flensburg frühere Firmen der Angeklagten mit dem Vorwurf Schwarzarbeit, Betrug und Steuerhinterziehung durchsucht, hieß es am Dienstag vor Gericht. „Es wurden nach und nach Limiteds in England gegründet, die Nummern nach Deutschland weitergeleitet und hier im Franchise-Verfahren weiter betrieben“, sagte die Zeugin. Sie habe am Anfang nicht gewusst, worum es ging. Die 50-Jährige arbeitete im August 2008 einen Monat als Sekretärin der Geschäftsführung der SMS-Chats in Flensburg. „Dann habe ich auch durch Kundenbeschwerden bemerkt, dass da was nicht seriös war“, sagte die Frau in ihrer fast dreistündigen Vernehmung.

Sie habe schließlich im Internet herausgefunden, dass vor den Firmen und deren Abzocke gewarnt wurde. „Da wusste ich es genau.“ Nach ihren Worten beschwerten sich über die Hotline ständig Kunden über hohe Rechnungen. Am Nachmittag wollte das Gericht aus einem Handbuch Anweisungen an professionelle Mitarbeiter der Flirt-SMS- Chats verlesen. (dpa/lno)