Fallzahlen steigen

Sexverbrecher mit K.o.-Tropfen: Kiel warnt

Im Kampf gegen Sex-Verbrechen mit K.o.-Tropfen ist in Schleswig-Holstein am Mittwoch eine bundesweit einzigartige Kampagne angelaufen. In Schulen, Discos und Kneipen wird auf Faltblättern vor den Knockout-Tropfen gewarnt.

Kiel. Lehrer, Polizisten und Ärzte werden gezielt informiert, um im Ernstfall helfen und Beweise sichern zu können. "Ziel ist, den Einsatz von K.o.-Tropfen zu ächten", sagte Jugendministerin Gitta Trauernicht (SPD). Sie geht davon aus, dass Männer immer häufiger K.o.-Tropfen einsetzen, um Mädchen und Frauen sexuell zu missbrauchen. Genaue Zahlen gibt es nicht, wohl aber viele Einzelfälle. Sie belegen, dass nicht nur in Discos oder bei Volksfesten Gefahr droht.

Eine Frau, die sonntags stets wie gerädert aufwachte, fand nach dem Auszug ihres Partners K.o.-Tropfen in der Wohnung. Ein 15-jähriges Mädchen wurde im Elternhaus ihrer Freundin missbraucht. Deren Vater hatte den Mädchen Kakao mit der farblosen Substanz serviert, die willen- und wehrlos macht. Der Mann wurde zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

Solche Schuldsprüche sind bisher selten. "Viele Opfer erinnern sich nicht an den Ablauf der Tat oder haben nicht den Mut, zur Polizei zu gehen", sagte Justizminister Uwe Döring (SPD). Nötig sei eine schnelle Anzeige. K.o.-Tropfen lassen sich im Blut nur bis zu sechs Stunden, im Urin bis zu zwölf Stunden nachweisen. Mehr Erfolg verspricht eine Haaranalyse. Mit ihr können Täter auch Tage später überführt werden. Eine Verschärfung der Gesetze sei nicht nötig, sagte Döring. Solche Täter riskieren schon jetzt eine Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren.