Nach halben Jahrhundert soll Stilllegung erfolgen

Aus für Forschungsreaktor in Geesthacht

Genau 50 Jahre nach seiner Inbetriebnahme ist offiziell das Aus für den umstrittenen Forschungsreaktor im schleswig-holsteinischen Geesthacht verkündet worden.

Geesthacht. "Trotz modernstem Stand der Technik wird der Forschungsreaktor (FRG-1) wegen Neustrukturierungen der Neutronenforschung in Deutschland zwischen 2010 und 2011 abgeschaltet", hieß es in einer anlässlich des Jubiläums am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung des GKSS-Forschungszentrums Geesthacht.

Der Rückbau des Reaktors werde mehrere Jahre in Anspruch nehmen. "Unser Ziel ist dabei die sogenannte 'Grüne Wiese', ein vollständiger Rückbau des FRG-1", erklärte der wissenschaftlich-technische Geschäftsführer des Forschungszentrums,Wolfgang Kaysser, den bevorstehenden Prozess.

Schon seit längerem zeichnete sich die Abschaltung des Reaktors ab. Da der Betrieb von Großgeräten wie einer Neutronenquelle sehr kostspielig sei, werde die Infrastruktur in Forschungsgemeinschaften effektiv gebündelt, erklärten die Forscher aus Geesthacht. So nutzen sie beispielsweise bereits einen Forschungsreaktor der Uni München und arbeiten mit dem Hamburger DESY zusammen.

Das Forschungszentrum wurde 1956 als Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schifffahrt GmbH (GKSS) im Geesthachter Ortsteil Krümmel gegründet. Für die Entwicklung des Kernenergieantriebes im Rahmen der zivilen Schifffahrt wurde der Forschungsreaktor gebaut, der am 23. Oktober 1958 in Betrieb ging.

Der Reaktor geriet immer wieder in die Kritik. So gab es Vorwürfe, im September 1986 habe es einen Atomunfall gegeben, der vertuscht worden sei. Die Landesregierung in Kiel wies dies zurück. Zwischen 1989 und 1991 kam es in der Gemeinde Elbmarsch bei Lüneburg, gegenüber des Forschungsreaktors der GKSS und des benachbarten Atomkraftwerks Krümmel, zu einer Häufung von Leukämieerkrankungen.

( AP )