Alkohol: Minister fordert jugendliche Testkäufer

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Sie flößen sich sogar mit Schläuchen in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Bier ein und betrinken sich hemmungslos, um gut drauf zu sein.

Hannover. Sie flößen sich sogar mit Schläuchen in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Bier ein und betrinken sich hemmungslos, um gut drauf zu sein. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) zeigte sich gestern entsetzt über die zunehmenden Alkoholexzesse von Kindern und Jugendlichen. Zur schärferen Kontrolle des illegalen Verkaufs von Alkohol sprach er sich in Hannover für den Einsatz jugendlicher Testkäufer zum Beispiel in Supermärkten aus. Der Minister will nun die Möglichkeiten für dieses Vorhaben ausloten.

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) war im vergangenen Jahr mit diesem Vorschlag auf Protest gestoßen. Nach schärferen Alkoholkontrollen der Landespolizei in Niedersachsen forderte Schünemann Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) auf, auch in Zügen und auf Bahnhöfen verstärkte Überprüfungen zu veranlassen. Dafür ist die Bundespolizei zuständig.

In Niedersachsen will der Landesinnenminister prüfen lassen, ob der Einsatz jugendlicher Testkäufer per Erlass geregelt werden könne. Der Kontrolldruck in Supermärkten und Kiosken müsse erhöht werden, sagte Schünemann. Auch beim Glücksspiel werde mit jugendlichen Spielern getestet, ob der Jugendschutz eingehalten werde. Er könne deshalb die Kritik an dem ursprünglichen Vorschlag von der Leyens nicht nachvollziehen. "Ich kann das nicht akzeptieren, dass Jugendliche einfach in den Supermarkt gehen und harten Alkohol bekommen", sagte Schünemann.

Die Polizisten entdeckten in Sarstedt im Landkreis Hildesheim ein besonders erschreckendes Beispiel für das exzessive Betrinken Jugendlicher. Mit einem selbst gebastelten Werkzeug - ein sogenannter Bierbong - stürzten sie in kurzer Zeit möglichst viel billiges Bier hinunter, erklärte der Innenminister. Dabei wird ein Schlauch hinter den Kehlkopf geführt und dann über eine Plastikflasche als Trichter Alkohol eingegossen.

"Die Jugendlichen dröhnen sich zu, um am Abend gut drauf zu sein", sagte Schünemann, der die Polizeikontrollen weiter verschärfen will. Schon 13-Jährige seien mit mehr als einem Promille Alkohol im Blut aufgegriffen worden.

Der Innenminister verstärkte in diesem Jahr die Polizeikontrollen gegen den Alkoholmissbrauch vor Diskotheken, an Bushaltestellen und anderen Treffpunkten. Nach den Überprüfungen von April bis Juni musste die Polizei landesweit mehr als 700 betrunkene Kinder und Jugendliche nach Hause bringen, gut 500 ließ sie auf der Wache abholen. Eltern müssen in Niedersachsen 65 Euro bezahlen, wenn die Polizei betrunkene Kinder und Jugendliche im Streifenwagen nach Hause fährt.

( dpa )