Landwirte: Alle klagen über den Preisverfall - was einem Betrieb in Dithmarschen unterm Strich wirklich bleibt

Bei der Milch muss Bauer Timm jetzt tüchtig zubuttern

| Lesedauer: 4 Minuten
Elisabeth Jessen

Die Ausgaben für Viehfutter und Pachtkosten sind stark gestiegen. Gleichzeitig drückt ein Überangebot an Milch den Preis.

Nindorf. Torsten Timm blickt kopfschüttelnd auf die bunte Anzeige eines Discounters, der damit wirbt, dass er Vollmilch jetzt 16 Prozent billiger anbietet, fettarme Milch sogar um 18 Prozent. "Der Einzelhandel hat eine so große Marktmacht", sagt der staatlich geprüfte Landwirt entnervt und legt die Zeitung weg. Der 40-Jährige hat den elterlichen Hof in Nindorf (Kreis Dithmarschen) 1997 übernommen und führt ihn mit seiner Frau Michaela (34). Timm hat den Hof, der in neunter Generation besteht, zum Milchviehbetrieb umgebaut und vergrößert. Im Stall stehen 84 Milchkühe, außerdem 76 weibliche Jungtiere aus eigener Nachzucht.

Die aktuelle Diskussion um den Milchpreis treibt auch das Landwirtsehepaar um, doch Torsten Timm ist vorsichtig optimistisch: "Wenn die Milch knapp ist, geht der Preis hoch, so wie im vergangenen Herbst. Derzeit ist zu viel Milch auf dem Markt, aber das wird sich wieder regulieren; je schlechter der Preis ist, umso eher wird er wieder in die Höhe gehen."

Bei der Milcherzeugung (600 000 Kilo pro Jahr) buttert der Bauer derzeit neun Cent bei jedem Kilo zu, fünf Cent Betriebsprämie pro Kilo bekommt er von der EU, bleibt ein Minus von vier Cent. Timm hat seit 1997 zu seinem eigenen Land (40 Hektar)50 Hektar dazugepachtet. Auf 15 Hektar baut er Getreide an, das er verkauft. "Die Pachtkosten sind seit letztem Herbst von circa 200 Euro auf 400 Euro pro Hektar im Jahr gestiegen." Seit Biogas auf dem Vormarsch ist, gebe es Konkurrenz um die Flächen - und dadurch steigende Pachtpreise. Auch Futtermittel hätten sich deutlich verteuert. Ein enormer Kostenfaktor: Die Kühe fressen pro Tag etwa 20 Kilo Gras- und Maissilage, die Timm selbst erzeugt. Kraftfutter kauft er dazu - jede Kuh frisst davon pro Tag vier bis fünf Kilo. Im vergangenen Jahr bekamen die Timms, die eine kleine Genossenschaftsmeierei in Sarzbüttel beliefern, an der sie Anteile haben, für ein Kilo Milch durchschnittlich 33 Cent, "jetzt im April werden es nur etwa 30 Cent sein", rechnet Torsten Timm vor.

Vom Milchstreik, den der Bundesverband Deutscher Milchviehhaltung angedroht hat, hält er dennoch nichts: "Ich glaube, dass man damit nicht viel weiter kommt. Kurzfristig bekäme man vielleicht einen höheren Milchpreis, aber dann würde schnell das Ausland einspringen und liefern." Damit wäre langfristig nichts gewonnen. Der Vater von Malte (8) und Jannis (6) fordert ein Umdenken der Verbraucher. "Milch ist ein Lebensmittel, ein Mittel zum Leben, doch der Stellenwert hat sich verschoben. Urlaub, Handy, alles wird wichtiger als Lebensmittel", beklagt der Bauer.

Urlaub haben er und seine Frau, deren Tag jeden Morgen um 5.30 Uhr mit dem Melken beginnt, schon seit zehn Jahren nicht gemacht. "Aber das kannten wir ja auch beide nicht", sagt Michaela Timm, die ebenfalls auf einem Bauerhof aufgewachsen ist. Obwohl die Milchwirtschaft derzeit ein Zuschussgeschäft ist, kommen sie über die Runden: "Wir zahlen uns eben keinen Lohn aus", sagt Torsten Timm, "und der Stall muss länger halten." In der vergangenen Woche wurde eine Fotovoltaikanlage installiert, "ein kleiner Nebenverdienst", sagt er, der trotz aller Widrigkeiten hofft, dass einer seiner Söhne den Betrieb übernimmt. Für die nähere Zukunft hofft Timm auf ein Ende der Subventionen: "Wir haben hier mit dem Wetter und den Böden einen sehr günstigen Standort. Wenn wir einen freien Weltmarkt hätten, würde dort produziert, wo die besten Bedingungen sind." Durch den Eingriff der Politik sei das verschoben. Tauschen möchte er trotzdem mit niemandem, sagt er lächelnd: "Ich kann meine Tage selbst gestalten."