Festakt: Ehemaliger Ministerpräsident gewürdigt

Glogowski zum Ehrenbürger von Braunschweig ernannt

Für den Sozialdemokraten und Lokalpatrioten war es an seinem 65. Geburtstag auch ein Stück Wiedergutmachung.

Braunschweig. Er hatte Tränen in den Augen, als er am 26. November 1999 seinen Rücktritt als Ministerpräsident des Landes Niedersachsen nach nur 13 Monaten Amtszeit verkündete. Gestern war dem Sozialdemokraten Gerhard Glogowski erneut die Rührung anzumerken, aber die Ernennung zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt Braunschweig war schließlich auch mehr als nur die Würdigung seiner Verdienste. Genau an seinem 65. Geburtstag war der Festakt, zu dem so viel Prominenz gekommen war, auch ein Stück Rehabilitierung.

Glogowski war und ist ein Mann mit vielen Gesichtern. Er wuchs in Bonn auf, weil sein Vater der Fahrer der SPD-Prominenz war. Am Küchentisch und im Garten von Herbert Wehner hat der kleine Gerhard Schularbeiten gemacht. Mit 18 Jahren trat der gelernte Werkzeugmacher in die SPD ein, holte das Abitur nach, studierte an der Hamburger Hochschule für Wirtschaft und Politik. Er zieht ins Braunschweiger Land, wird schon 1976 ehrenamtlicher Bürgermeister von Braunschweig, 1978 auch Landtagsabgeordneter.

1990 wird Glogowski im ersten Kabinett des neuen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder Innenminister, bleibt dies bis zu seiner Wahl zum Ministerpräsidenten im Herbst 1998. Der Polizeiminister Glogowski profiliert sich als Hardliner, der gerne bayersche Vorstöße in der Innen- und Rechtspolitik unterstützt. Aber er ist zugleich das Scharnier zum grünen Koalitionspartner in den Jahren bis 1994, geschätzt über Parteigrenzen hinweg als absolut verlässlich und geradlinig.

Im November 1999 dann immer neue Negativschlagzeilen: Er hat Reisen auf Kosten des Konzerns TUI unternommen, seine Hochzeitsfeier ließ er sich von örtlichen Firmen sponsorn, die Zweitwohnung im Gästehaus der Landesregierung wurde nicht ordentlich angerechnet. Viele kleine Versäumnisse wogen in der Summe so schwer, dass Gerhard Glogowski gehen musste. An seine Stelle trat Sigmar Gabriel.

Aber der offenkundig schlecht beratene Ministerpräsident, das war wiederum nur ein Ausschnitt. Glogowski ist mit ganzer Seele Lokalpatriot, machte den Braunschweigern sogar den Karneval schmackhaft, den er aus der Kinderzeit in Bonn kannte und liebte: Heute zieht der größte norddeutsche Rosenmontagszug durch die Straßen von Braunschweig. Lange Jahre stand er zudem als Präsident dem Traditionsverein Eintracht Braunschweig vor. Vor allem aber zog er Strippen für die Stadt - als Aufsichtsrat beim Volkswagenkonzern, dem größten Arbeitgeber in der Region, beim Ausbau der Hochschule. Weswegen ihn jetzt mit Gert Hoffmann ein CDU-Oberbürgermeister zum Ehrenbürger vorgeschlagen hat - eine breite Mehrheit im Rat sah das genauso.

Und ganz wichtig: Zum Festakt kam gestern auch der amtierende christdemokratische Ministerpräsident Christian Wulff, natürlich auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, der seine Karriere ein Stück weit Glogowski zu verdanken hat. Aber auch der ehemalige Bundesminister Otto Schily gratulierte dem frischgebackenen Ehrenbürger.