Glücksspiel: Poker boomt im ganzen Land

Die coole Nummer mit dem Bluff

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Nico Pointner

Aus dem Hobby wurde ein Beruf. Heute bestreitet Eloy Beihofer mit Poker seinen Lebensunterhalt.

Oldenburg. Der ältere Spieler am Ende des Tisches kratzt sich nervös am Hals. Sein rechter Nachbar mit der großen Sonnenbrille fährt mit zitternden Händen durch seine Chips. Der junge Mann gegenüber zappelt gereizt mit den Füßen. Eloy Beihofer hingegen ist die Ruhe selbst. Mit verschränkten Armen sitzt der 25-Jährige vor seinen bunten Spielchips, starr wie eine Statue. Seine Gesichtszüge zeigen nicht die geringste Regung. Doch seine braunen Augen sind hellwach, seine konzentrierten Blicke überall. "Raise", sagt er mit tiefer Stimme. Er hat den Einsatz noch mal erhöht. Ein Spieler nach dem anderen schmeißt die Karten mit ernster Miene in die Tischmitte und steigt aus. Schon wieder ein Bluff - schon wieder gewonnen.

Eloy Beihofer gilt als einer der besten Nachwuchs-Zocker der Republik. Der Oldenburger Student nennt sich selbst "Pokerpapst". Ob im Internet, Kasino oder Freundeskreis: Seine Mitspieler haben oft wenig zu lachen.

Auch bei der dritten Oldenburger Poker-Night wird nicht viel gelacht. Im überfüllten Saal der Veranstaltungsfabrik ist nur das Klappern der Spielchips zu hören. Eloy Beihofer veranstaltet seit Februar regelmäßig solche Pokernächte und zockt selbst mit. Der Boom des Glücksspiels ist ungebrochen, jedes Mal sitzen mehr Spieler an den ovalen, grünen Tischen. Heute Abend hoffen 85 Zocker auf das richtige Blatt. Eloy Beihofer vertraut auf sein Talent. "Poker ist kein Glücksspiel", sagt er überzeugt, "langfristig entscheidet nur das Können".

Vor acht Jahren begann der Cuxhavener im Freundeskreis zu spielen - Texas Hold'em, die populärste Variante. Bald schon liest er englische Fachliteratur, beschäftigt sich mit Psychologie und Mathematik. "Ich fing an, Poker zu verstehen", sagt er. Nach kurzer Zeit löste sich die private Zockerrunde auf, keiner war ihm mehr gewachsen. Eloy Beihofer spielte im Internet und im Kasino weiter. Manchmal mehr als zehn Stunden am Stück.

Innerhalb von zwei Jahren wurde aus dem Hobby eine Profession, aus dem Spiel ein Beruf. Mit den Karten bestreitet der 25-Jährige heute sein Einkommen. Die Karriere am Spieltisch ist lukrativ: "Mindestens 3000 Euro im Monat", sagt Beihofer stolz. Sein aktuelles Buch "Texas Hold'em Poker-Profi" erscheint schon in der zweiten Auflage. Der Student fährt einen BMW Z 4, träumt vom Zweitwohnsitz in Südeuropa.

Beihofer ist ein kühler, berechnender Typ. Vielleicht ist seine Wesensart der Schlüssel seines Erfolgs. Nichts bringt ihn aus der Ruhe, stets wirkt er nachdenklich und konzentriert. Er erzählt viel von Prozenten, Wahrscheinlichkeiten und höherer Mathematik. "Kalkül" ist eines seiner Lieblingswörter. Auch im Spiel lässt er die Emotionen außen vor. Pokern ist sein Job, nicht seine Leidenschaft. "Ich bin weder ein fanatischer Spielsüchtiger, noch habe ich viel Spaß dabei", meint er. "Ich will nur das Geld."

Zwischen den Spielen studiert der Cuxhavener seit vier Semestern Ökonomische Bildung und Geschichte in Oldenburg. "Nebenbei im Schongang", wie er sagt. In den Vorlesungen zockt er unter der Bank auf dem Laptop. Mit seinem Studium könnte Eloy Beihofer Lehrer werden. Doch seine Zukunft sieht er nicht vor der Tafel, sondern am Spieltisch. Aussteigen kommt nicht infrage. "Ich weiß, was ich tue", sagt er.

Poker boomt im ganzen Land, der Norden hat dabei offenbar ein gutes Händchen: Katja Thater, die sich bei internationalen Turnieren den Namen "Lady Horror" erspielte, kommt ursprünglich aus Hamburg und wohnt heute in der Region Hannover. Auch Sven Niklas Heinecker ist gebürtiger Hamburger. Der 23-Jährige kehrte erst vor wenigen Tagen als erfolgreichster Deutscher von der Poker-Weltmeisterschaft aus Las Vegas zurück - mit einem bescheidenen Preisgeld von 106 000 Dollar in der Tasche. Die Spielermetropole in der Wüste von Nevada reizt auch Eloy Beihofer.

Doch noch sitzt er in der Oldenburger Veranstaltungsfabrik, umringt von neugierigen Beobachtern. Es ist inzwischen elf Uhr geworden, und die Luft im Saal ist heiß und stickig. Nur wenige Spieler sind noch im Rennen. Müde Gesichter starren auf ihre Karten.

"Ich lese meine Gegner", sagte der selbst ernannte "Pokerpapst" zu Beginn des Turniers. An diesem Abend hat er sich wohl verlesen: Mehrmals riskiert er seinen ganzen Einsatz und wird schließlich von einem Ass-Pärchen geschlagen. "Pech gehört dazu", sagt er und geht gelassen vom Tisch. Er ist auf Platz 17 von 85 Spielern. "Aber statistisch ist das Ergebnis absolut okay."