Sylt-Strecke: NOB fordert Ausgleich

Nord-Ostsee-Bahn fährt Millionen-Verlust ein

KIEL. Die private Nord-Ostsee-Bahn (NOB) fährt auf der Strecke Hamburg-Westerland statt der erhofften Gewinne ein sattes Defizit ein. "Wir werden in diesem Jahr rote Zahlen schreiben", sagte NOB-Geschäftsführer Steffen Höppner gestern in Kiel. Das Minus im ersten Betriebsjahr (ab Dezember 2005) bezifferte er auf "einen einstelligen Millionenbetrag".

Einen Zusammenhang mit dem Millionen-Ausgleich, den die NOB vom Land Schleswig-Holstein fordert, bestritt Höppner: "Das hat gar nichts miteinander zu tun." Klar ist, dass die NOB vom Land (wie berichtet) bis zu 8,79 Millionen jährlich fordert, unter anderem als Ausgleich für gestiegene Energiepreise (drei Millionen).

Geradestehen soll das Land auch dafür, dass Fahrgäste durch den nicht möglichen Stundentakt (zwei Millionen) oder verzögerte Baumaßnahmen etwa an der Kanal-Hochbrücke Hochdonn abgeschreckt werden. "Es wird darüber noch in diesem Jahr weitere Gespräche geben", sagte Höppner nach dem ersten Krisengipfel.

Das Verkehrsministerium hielt sich bedeckt. Insider gehen davon aus, dass der NOB "allenfalls" zwei bis drei Millionen Euro zustehen, sie aber noch einen Trumpf im Ärmel hat. Die NOB-Mutter Veolia ist einer von zwei Bewerbern für das Bahn-Netz Ost - und wird vom Land dringend gebraucht, um den Favoriten DB Regio unter Preisdruck zu setzen. Deshalb wird sich die Netz-Vergabe nochmals auf frühestens Januar verzögern.

Derweil kämpft die NOB an einer weiteren Front. In der jüngsten Qualitätsmessung (drittes Quartal) erreichte die Sylt-Bahn einen "Pünktlichkeitswert" von nur 80,8 Prozent. Im Klartext: Die Fahrgäste mussten auf jeden fünften Zug fünf Minuten oder länger warten. Unpünktlicher war nur die DB Regionalbahn zwischen Hamburg und Flensburg. Dort hielten gerade mal 79,3 Prozent der Züge den Fahrplan ein.

( ubi )