Studie: Krümmel nicht Ursache für Leukämie

Krebs möglicherweise durch Pestizide.

Kiel. Die bisher größte deutsche Leukämiestudie hat ein klares Ergebnis und bleibt dennoch umstritten. "Das Kernkraftwerk Krümmel scheidet als Verursacher der Leukämie-Häufung in der Elbmarsch aus", sagte der Leiter der Studie, der Bremer Professor Eberhard Greiser, gestern in Kiel. Der Vorsitzende der schleswig-holsteinischen Leukämie-Kommission, Otmar Wassermann, erneuerte dagegen seine Anklage. Er machte "einen Störfall in einem Geheimlabor" verantwortlich, blieb aber einen Beweis für die gewagte These schuldig. Klar ist, dass seit 1990 in der Region Geesthacht mindestens zwölf Kinder und Jugendliche an Leukämie erkrankten und Greiser 1994 auch für Erwachsene ein erhöhtes Krebsrisiko festgestellt hatte. Seinen Verdacht gegen Krümmel sammelte der Direktor des Bremer Instituts für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS) gestern selbst ein. Die Studie, bei der in sechs Jahren 1430 Patienten und 3041 Vergleichspersonen befragt wurde, hätte keinen Hinweis ergeben, dass radioaktive Emissionen ursächlich seien für Leukämiefälle rund um die Reaktoren in Brunsbüttel, Brokdorf, Stade und eben auch Krümmel. "Wer ein Haus in der Elbmarsch hat, kann dort ruhig leben bleiben", bilanzierte Greiser. Einer seiner Mitarbeiter ruderte später zurück. Diese Aussage gelte für Erwachsene. Bei Kindern sei die Fallzahl zu gering, um Entwarnung geben zu können. Die Studie basiert zudem auf rechnerischen und nicht den realen Reaktoremissionen. Minister Müller hielt sich denn auch bedeckt: "Der Normalbetrieb der norddeutschen Kernkraftwerke führt laut Studie nicht zu einem erhöhten Krebsrisiko." Letztlich bleibe die Ursache der Leukämiefälle weiter unklar. Das gilt auch für die mituntersuchte Häufung von Krebsfällen in der Region Klein Offenseth-Sparrieshoop (Kreis Pinneberg), wo viele Baumschulen arbeiten. Hier bestätigt die Studie andere Gutachten, nach denen Pestizide und Insektizide Leukämie auslösen können. "Bei Menschen, die neben Baumschulen leben, ist das Risiko höher", sagte Greiser. Dies gelte aber nur für Männer. Müller hat bereits mit dem Baumschulverband gesprochen. Ziel: Der Einsatz von Chemie soll weiter gedrosselt werden. Ein weiteres Ergebnis der 3,3 Millionen Euro teuren Studie, die Schleswig-Holstein und Niedersachsen bezahlen, ist zwar nicht neu, zeigt aber, dass jeder sein Krebsrisiko senken kann. So warnte Greiser vor "Chemie im Haushalt", weil selbst Substanzen in Insektenspray und Mottenkugeln Krebs auslösen könnten.