Anklage

Diakon wegen Besitz von Kinderpornos angeklagt

Evangelische Kirchengemeinden in Uetersen trennen sich von Seelsorger. Her Hamburger betreute oft Konfirmandengruppen.

Kreis Pinneberg. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat den Uetersener Jugenddiakon Markus E., 26, wegen des Besitzes und der Verbreitung kinderpornografischer Schriften angeklagt. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers. Der 26 Jahre alte Hamburger hatte am 29. März, fünf Tage nach der Anklageerhebung, seinen Arbeitgebern von den Ermittlungen berichtet. Er wurde sofort von den beiden evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden in Uetersen, für die er tätig war, beurlaubt. Das Arbeitsverhältnis ist mittlerweile aufgelöst.

Der Diakon hatte im Herbst 2009 seine erste Stelle in Uetersen angetreten. Er betreute Konfirmandengruppen mit, leitete die offene kirchliche Jugendarbeit hauptsächlich für die Gruppe der Zwölf- bis 15-Jährigen, gestaltete den Jugendgottesdienst mit und übte ein Krippenspiel ein. Er galt nach Auskunft von Johannes Bornholdt, Vorsitzender der Erlöser-Kirchengemeinde, sowohl unter den Jugendlichen als auch bei den Mitarbeitern als beliebt.

Die Staatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben im Juli 2010 den Laptop des Beschuldigten beschlagnahmt. 2700 belastende Bilder sollen auf dem Rechner gespeichert worden seien. Der Diakon soll von Ermittlern der Staatsanwaltschaft in Hannover in einem Internet-Tauschring von kinderpornografischen Darstellungen entdeckt worden sein. "Die Bilder dokumentieren den sexuellen Missbrauch von Jungen unter 14 Jahren", sagte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers. Markus E. empfing und versendete zwischen November 2007 und Mai 2008 siebenmal kinderpornografischen Dateien, fanden die Ermittler heraus.

In dieser Zeit studierte der gebürtige Delmenhorster an der evangelischen Hochschule im Rauhen Haus Sozialarbeit. "Er war ein freundlicher, netter, zugewandter und gut integrierter Student", heißt es aus der evangelischen Hochschule. Sein Studium begann er im Herbst 2004 und schloss es 2009 mit dem Diplom ab. Nach Auskunft der Hochschule beschäftigen sich die Studenten während der Ausbildung nicht mit dem Problem Kinderpornografie und sexualisierte Gewalt.

Der Beschuldigte hatte sich wenige Tage nach der Anklageerhebung freiwillig bei seinen Pastoren gemeldet und vom Ermittlungsverfahren gegen ihn berichtet. Die Vorwürfe beträfen aber einzig den Zeitraum vor seinem Amtsantritt in Uetersen. Thomas Drope, Propst im Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein, zu dem Uetersen gehört, reagierte geschockt. Er sagte: "Wir haben sofort gehandelt. Da ist eine Grenze überschritten worden. Wir gehen aber davon aus, dass in Uetersen nichts vorgefallen ist."

Die beiden Kirchenvorstände entschieden nach intensiven Gesprächen, den Arbeitsvertrag zu lösen und die Öffentlichkeit über die Vorwürfe zu informieren. Am Mittwoch verschickte die Kirche Anschreiben an etwa 400 Familien in der Region Uetersen. Bis dahin wurde offiziell erklärt, dass der Diakon im Urlaub sei. Die Auflösung des Arbeitsvertrages geschah im gegenseitigen Einvernehmen.

"Bei Neueinstellungen wird jetzt ein erweitertes Führungszeugnis eingefordert", sagte Propst Drope. Vor anderthalb Jahren war das noch nicht üblich. Durch die Berichterstattung auch im Abendblatt im vorigen Sommer über einen verurteilten Kirchenmusiker, der erneut Kinderpornos gehortet hatte und von der Nordelbischen Kirche weiterbeschäftigt worden war, habe sich der Bewusstseinwandel in der Kirche verstärkt, sagte Drope.

In den betroffenen Kirchengemeinden wurde lange über den richtigen Weg diskutiert. Pastor Bornholdt sagte: "Mir tut es sehr leid, weil er gute Arbeit gemacht hat. Er konnte Jugendliche gut motivieren." Doch der Vertrauensbruch war zu groß.

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