Georgsmarienhütte (dpa/lni). Um klimafreundlicher zu werden, müssen die Stahlunternehmen in neue Techniken investieren. In Georgsmarienhütte soll künftig die Bearbeitung von Stabstahl deutlich weniger CO₂ verursachen als bisher.

Der Stahlhersteller Georgsmarienhütte Gruppe (GMH Gruppe) hat mit einer neuen Produktionsanlage an seinem Hauptstandort einen weiteren Schritt zur Verringerung klimaschädlicher Emissionen getan. Am Mittwoch wurde eine induktive Einzelstabvergütungsanlage für den Regelbetrieb gestartet, wie das Unternehmen mitteilte. Damit sollen Stahlstäbe mithilfe elektrischer Energie bearbeitet werden, die künftig aus 100 Prozent erneuerbaren Quellen kommen soll.

Die neue Anlage erschließe auch neue Märkte, weil damit Stahlprodukte mit höheren Festigkeits- und Zähigkeitsnormen als bisher möglich seien, hieß es. Interessant sei das vor allem für die Windkraftindustrie, aber auch im Maschinenbau und der Autoindustrie, erläuterte eine Sprecherin.

Um die geforderte Festigkeit der Stahlstäbe zu erzielen, müssen sie wärmebehandelt werden. In der neuen Anlage wird jeder einzelne Stahlstab nach Unternehmensangaben durch eine Induktionsspule geführt, dabei zunächst auf 900 Grad Celsius erhitzt und dann mit Wasserdruck erkaltet. Danach wird der Stab nochmals auf 650 Grad erhitzt, um die Festigkeits- und Zähigkeitsmerkmale zu erreichen. Die Kapazität liege bei rund 17.000 Tonnen Stahl pro Jahr.

Die neue Anlage laufe vollautomatisch. Damit entfalle eine arbeitsintensive und risikobehaftete manuelle Nacharbeit des Stabstahls. Bis Ende 2026 soll eine baugleiche zweite Anlage in Betrieb gehen. Die Gesamtkapazität liege dann bei 35.000 Tonnen Stahl im Jahr. Die Investitionssumme liegt nach Unternehmensangaben bei 21,5 Millionen Euro. Das Bundeswirtschaftsministerium förderte das Projekt mit 880.000 Euro.

Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen angekündigt, mehr Stahl für die Windkraftindustrie produzieren zu wollen, um damit unabhängiger von der Autoindustrie zu werden. Bis 2039 will die GMH Gruppe komplett auf CO₂-frei hergestellten Stahl umgestellt haben. Zur Unternehmensgruppe mit 6000 Mitarbeitern gehören 20 mittelständische Unternehmen in mehr als 50 Ländern. Der Jahresumsatz liegt bei rund zwei Milliarden Euro.