Hannover (dpa/lni). Der Stammverein von Zweitligist Hannover 96 kritisiert die Deutsche Fußball Liga massiv. Hintergrund ist der Streit um die 50+1-Regel und um den Einstieg von Investoren. Die DFL reagiert energisch.

Der Konflikt zwischen dem Profifußball-Geschäftsführer Martin Kind und der Führung des Muttervereins von Hannover 96 wird immer stärker auch außerhalb Hannovers ausgetragen. Am Samstag riefen sogar beim Bundesliga-Spiel zwischen Darmstadt 98 und dem VfB Stuttgart (1:2) die Fans beider Mannschaften lautstark: „Kind muss weg“.

Vor allem aber hat sich die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Wochenende gegen die Vorwürfe der e.V.-Spitze gewehrt. In einer Stellungnahme am Donnerstag hatten Vorstand und Aufsichtsrat des Hannover 96 e.V. der DFL unterstellt, „durch die bewusste Untätigkeit“ im Umgang mit Martin Kind den Bestand der 50+1-Regel im deutschen Fußball zu gefährden.

„Die DFL weist die Vorwürfe des Hannover 96 e.V. entschieden zurück“, hieß es in einer Stellungnahme der DFL am Samstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. „Diese blenden insbesondere die Tatsache aus, dass der Umfang des Weisungsrechts des Hannover 96 e.V. und der „Kapitalseite“ auch deshalb Gegenstand von Rechtsstreitigkeiten ist, weil beide Seiten - auch der e.V. selbst - bereits 2019 einem Vertrag zugestimmt haben, der diese Frage zwischen beiden Parteien offenbar nicht interpretationsfrei regelt.“

Die 50+1-Regel begrenzt den Einfluss externer Geldgeber bei Clubs der ersten und zweiten Liga. Sie soll sicherstellen, dass Muttervereine wie der Hannover 96 e.V. selbst dann die letzte Entscheidungsgewalt behalten, wenn der Profibereich in eine Kapitalgesellschaft wie die Hannover 96 GmbH & Co. KGaA ausgegliedert wurde. In Hannover sind Vereins- und Kapitalseite darüber schon seit Jahren zerstritten.

Auslöser des 96-Schreibens war die umstrittene Abstimmung über den Einstieg eines Investors bei der DFL, die bei einer Mitgliederversammlung im Dezember exakt die benötigte Zwei-Drittel-Mehrheit von 24 Ja-Stimmen erhielt. Hannovers Vereinsführung hatte Profifußball-Geschäftsführer Martin Kind angewiesen, gegen den Investoren-Einstieg zu stimmen. Das Abstimmungs-Ergebnis und die öffentlichen Bekenntnisse von Antragsgegnern lassen jedoch darauf schließen, dass Kind mit Ja gestimmt und dem DFL-Plan damit zur nötigen Mehrheit verholfen hat.

Der 79-Jährige selbst verweist auf die geheime Abstimmung und verweigert jede Auskunft über sein Votum. „Wie ich gestimmt habe, das weiß nur ich. Alles andere ist Spekulation“, sagte er dem NDR.

In zahlreichen deutschen Stadien demonstrieren Fußball-Fans seit Wochen gegen den geplanten Investoren-Einstieg. Auch das Zweitliga-Spiel von Hannover 96 gegen die SpVgg Greuther Fürth (2:1) stand am Freitagabend kurz vor dem Abbruch. Eine Woche zuvor hatten 96-Fans während des Spiels beim Hamburger SV (4:3) ein Plakat gezeigt, auf dem das Gesicht von Martin Kind in einem Fadenkreuz zu sehen war.