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Tschentscher war als Schuljunge rauflustig

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Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg.

Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg.

Foto: Marcus Brandt/dpa/Archivbild

Im Amt wirkt er stets sachlich und nüchtern, hanseatisch zurückhaltend. In einem Podcast lässt Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher jetzt einen Blick auf sein Privatleben zu - und das birgt manche Überraschung.

Hamburg/Bremen. Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher war als kleiner Junge rauflustig, ist heute ganz verrückt nach Gyros mit Pommes und gibt im Privatleben ganz gern mal das Ruder aus der Hand. Dies und mehr verrät der SPD-Politiker in der am Sonntag veröffentlichten 100. Jubiläumsausgabe des Podcasts „Gute Leude - Das Hamburg Gespräch“.

Er sei „nicht in Watte gepackt“ aufgewachsen, verriet er. Geboren in Bremen, sei für ihn im Problemstadtteil Osterholz-Tenever als Grundschüler „Gewalt an der Schule ziemlich spürbar gewesen“ - und er habe das zunächst auch für normal gehalten. „Als sechs-, siebenjähriges Kind haben sie keine Referenzwerte. Sie denken, das gehört so, dass man sich plötzlich auf dem Schulhof auch körperlich zur Wehr setzen muss.“

Auch auf dem Weg von der Schule nach Hause sei es nicht so gewesen, „dass man ohne Rauferei durchkam“, erzählt der 57-Jährige im Gespräch mit Gute Leude-Geschäftsführer Lars Meier. Ein Schlägertyp sei er aber nie gewesen. „Ich habe immer mit meinem älteren Bruder gedroht.“

Erst als er nach einem Umzug ins niedersächsische Oldenburg auf eine andere Schule gewechselt sei, sei ihm klar geworden, „dass es auch anders geht“. Heute sei für ihn klar: „Wir müssen uns Gedanken machen, dass alle Kinder in allen Stadtteilen gut aufwachsen können.“

Wenn die knappe Zeit als Bürgermeister es ihm erlaube, gehe er mit seiner Frau zum Essen am Liebsten zum Griechen um die Ecke in Barmbek. „Da bestelle ich immer dasselbe - und das ist immer Gyros/Pommes“, sagt Tschentscher und gerät ins Schwärmen: „Dieses Würzige und dann noch die Pommes dazu. Das ist einfach unschlagbar.“ Zwar sei es nicht das Gesündeste, aber man gönne es sich schließlich auch nicht jeden Tag.

Auch der Umstand, dass er als Bürgermeister in einem Dienstwagen von einem Fahrer chauffiert werde, bleibe nicht folgenlos. „Also nicht, dass man jetzt plötzlich nicht mehr Auto fahren kann. Aber es ist mir schon aufgefallen, dass ich mich stärker konzentrieren muss, selber auf die Geschwindigkeitsbegrenzung zu achten.“ Die alltäglichen Dinge würden ihm aber auch als Bürgermeister nicht rund um die Uhr abgenommen. „Ich lebe ein normales Leben in Barmbek, auch gerade im Urlaub, so wie alle anderen auch.“

Nach den politischen Auseinandersetzungen im Rathaus könne er sich zu Hause entspannen. „Meine Frau gibt ziemlich klar oft den Ton an, wenn ich das verraten darf, ohne dass ich meine private Lage noch weiter öffentlich machen möchte“, sagt der Politiker.

Bei der Frage nach seinem Lieblings-Hamburg-Lied muss Tschentscher nicht lange überlegen: „Die "Reeperbahn" von Udo Lindenberg - eindeutig. Dieses Gefühl, das wir alle kennen, wenn wir zulange weg waren (...) Irgendwann merkt man dann, dass man sich nicht mehr so richtig wohlfühlt. Und dann kommt die Reeperbahn, dann kommt Hamburg.“ Und auch wenn er in Bremen geboren wurde: „Ich fühle mich durch und durch als Hamburger.“

( © dpa-infocom, dpa:230917-99-224476/2 (dpa) )