Braunschweig (dpa/lni). Das entscheidende Tor fällt spät, aber verdient: Eintracht Braunschweig hat das brisante Niedersachsen-Derby gegen Hannover 96 gewonnen.

Beide Szenen trennten nach diesem brisanten Derby nur eine Spielfeldbreite: Die Spieler von Eintracht Braunschweig nahmen ihre Kinder mit auf die Ehrenrunde. Die Fans von Hannover 96 verbrannten in ihrem Tribünenblock zwei Banner.

Durch ein Tor in der Nachspielzeit hat Abstiegskandidat Braunschweig dieses Duell der beiden Erzrivalen in der 2. Fußball-Bundesliga mit 1:0 (0:0) gewonnen. Der Siegtreffer von Jannis Nikolaou fiel am Sonntag spät, aber hochverdient (90.+1). Schon vorher hatte der Außenseiter vor 20 995 Zuschauern mehrere klare Chancen vergeben.

„Wir sind alle Derbysieger: wir, die ganze Region, die Fans“, sagte der 29 Jahre alte Nikolaou, der seinen auslaufenden Vertrag in Braunschweig erst in dieser Woche als bewusstes Signal im Abstiegskampf verlängert hatte. Vor diesem Prestigeduell hatte der Aufsteiger nur eines von zwölf Zweitliga-Spielen gewonnen. Nach dem emotionalen Erfolg sagte Trainer Michael Schiele: „Ich glaube, dass man mit so einem Spiel einen Turnaround einleiten kann.“

Der positive Nebeneffekt aus Braunschweiger Sicht: Rivale Hannover steckt nach dem achten Rückrunden-Spiel ohne Sieg auf einmal ebenfalls im Abstiegskampf - und erkennt das auch selbst an. „Wir sind rein rechnerisch noch nicht gerettet. Wir brauchen Punkte und müssen uns am Riemen reißen“, sagte Torwart Ron-Robert Zieler. „Die Enttäuschung ist brutal und nicht in Worte zu fassen.“

Das Hochsicherheitsduell wurde von einem Großaufgebot der Polizei abgesichert. Trotzdem musste das Spiel in der 8. und 40. Minute jeweils für anderthalb Minuten unterbrochen werden, weil zunächst aus dem Hannoveraner und später dem Braunschweiger Block Leuchtraketen auf das Spielfeld geschossen wurden.

Das Hauptziel der Polizei wurde dennoch erreicht: Sie trennte die beiden verfeindeten Fanlager erfolgreich voneinander. Das verhinderte zumindest im und um das Stadion herum die befürchteten Gewaltausbrüche. Noch am Donnerstag waren zwei Braunschweiger Spieler zu Hause bedroht worden, als vor ihren Häusern blau-gelbe Holzkreuze mit dem Datum des Spiels aufgestellt wurden.

Aus dieser und auch aus der sportlich deutlich bedrohlicheren Situation heraus war die Eintracht zu Beginn die nervösere Mannschaft. Hannover machte aus seiner spielerischen Überlegenheit aber nichts. Und so wurde Braunschweig von Minute zu Minute stärker.

Anthony Ujah mit einem spektakulären Seitfallzieher (36.) und Anton Donkor mit einem Linksschuss (56.) trafen jeweils nur den Pfosten. Dazu vergab der Aufsteiger noch eine Reihe weiterer guter Chancen. Die Eintracht war so klar besser und zielstrebiger, dass Hannovers Trainer Stefan Leitl sein Team massiv kritisierte: „Mit vier Spielern wird es in der 2. Bundesliga schwierig, ein Spiel zu gewinnen“, sagte er.