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Notfalls vor Gericht ziehen: Eltern bangen um Kita-Platz

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dpa
Ein Kind spielt in einer Kita.

Ein Kind spielt in einer Kita.

Foto: dpa

Weil es an Kita-Personal fehlt, wird in Niedersachsen debattiert, wie voll die Gruppen sein dürfen, wie lange betreut wird. Doch es gibt auch Kinder, die noch gar nicht an einer Kita untergebracht sind.

Hannover. Wenn Eltern ihr Kind in keiner Kita unterbringen können, bleibt nach Einschätzung der Kita-Landeselternvertretung für viele Familien nur eine Klage vor Gericht. "Wenn ein Antrag abgelehnt wird, dann ist der Rechtsweg am erfolgversprechendsten", sagte die Vorsitzende Christine Heymann-Splinter der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Aber selbst bei einem Erfolg der Klage müsse man die Wartezeit bei der Betreuung erst einmal überbrücken. Ein möglicher Verdienstausfall werde auch erst dann erstattet. "Am Ende sind die Eltern immer die Gelackmeierten", sagte sie.

Als Hauptgrund für fehlende Plätze in der Kinderbetreuung sieht Heymann-Splinter den Mangel an Erzieherinnen und Erzieher. Fehlendes Personal ist auch der Grund, warum die Kommunen als Kita-Träger, Gewerkschaften und die Landesregierung über vollere Gruppen und kürzere Betreuungszeiten reden. Eine eingeschränkte Betreuung sei besser als gar keine, argumentierte Marco Trips, Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes (NSGB), in einem Interview der "Neuen Presse". "Das wäre pädagogisch, aber auch aus volkswirtschaftlichen Gründen keine gute Option."

Wie viele Familien im Land zum kommenden Kita-Jahr noch ganz ohne Platz für ihr Kind dastehen, ist schwer zu ermitteln und regional unterschiedlich. Die Stadt Hameln beispielsweise rechnete vergangene Woche vor, dass etwa 140 Kinder unter drei Jahren und etwa 130 Kinder über drei Jahren im August keinen Betreuungsplatz in einer Kita erhalten können. Derzeit verfügt die Stadt (57.400 Einwohner) über 2100 Kita-Plätze. In der Großstadt Bremen fehlen nach einem Bericht der Bildungsbehörde für das kommende Jahr mehr als 1400 Kita-Plätze.

In Niedersachsen müssen die Landkreise den Bedarf an Kita-Plätzen sicherstellen, sie sind beim Gang vor Gericht die Beklagten. Dem Niedersächsischen Landkreistag seien derzeit aber keine Probleme mit fehlenden Plätzen bekannt, sagte Hauptgeschäftsführer Hubertus Meyer. Es sei eher selten, dass geklagt werde. In dem meisten Fällen gelinge es, pragmatische Lösungen zu finden.

Oft werde der Streit vorgerichtlich geklärt, sagt auch Melanie Krause, Vorsitzende des Kita-Fachkräfteverbands Niedersachsen-Bremen. Die Kommunen versuchten, die Betreuungslücke über Tagesmütter oder -Väter zu schließen. Deren Betreuung sei oft zeitlich flexibler. Auch für Krause ist der Personalmangel das Hauptübel, das die Kitas plagt: "Wenn wir mehr Fachkräfte haben, werden sich einige Probleme verringern."

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( dpa )