Hannover

Schrank und Stickerei erinnern an verfolgte Klara Berliner

| Lesedauer: 2 Minuten
dpa
Gabriele Berliner (l) und Joe Fendel zeigen eine Stick-Arbeit in einem Ausstellungsraum im Museum August Kestner.

Gabriele Berliner (l) und Joe Fendel zeigen eine Stick-Arbeit in einem Ausstellungsraum im Museum August Kestner.

Foto: dpa

Nach intensiver Recherche hat die Stadt Hannover die Erben der jüdischen Fabrikantentochter Klara Berliner in den USA ausfindig gemacht. Zwei Objekte wurden zunächst zurückgegeben, sollen aber als Mahnung in Hannover bleiben.

Hannover. Sie war eine der reichsten Frauen Hannovers und wurde von den Nazis ihres ganzen Besitzes und ihrer Rechte beraubt: Am Ende hatte sie nicht einmal mehr das Geld, sich einen Strick für den Selbstmord zu kaufen, wie Klara Berliner selbst schrieb. Im Dezember 1943 starb die jüdische Fabrikantentochter mit knapp 46 Jahren entkräftet im Konzentrationslager Theresienstadt.

Fast 80 Jahre später hat die Stadt Hannover einen riesigen Rokoko-Schrank und eine unvollendete Stickerei an die Erben von Klara Berliner zurückgegeben. Auf die Restitution folgte sogleich die Schenkung der beiden Objekte an die Stadt Hannover - gekoppelt mit dem Auftrag, auch künftige Generationen über den Schrecken des NS-Regimes am Beispiel von Klara Berliner aufzuklären.

Im Museum könnten Hunderttausende Besucher erfahren, wie die jüdische Gemeinde verfolgt wurde, sagte die in Berlin geborene Gabriele Berliner, eine der Erbinnen. Ihr Vater Bernhard, der 1936 in die USA emigrierte, war ein Cousin der Fabrikantentochter. Er habe nie nach Deutschland zurückkehren wollen, erzählte die 87-Jährige, die in Kalifornien lebt. Ihr Vater sei in den 1890er Jahren als Jude in der Grundschule in Hannover von Mitschülern und Lehrern verprügelt worden.

Für Joe Fendel, Treuhänder der Familien-Stiftung Manfred Berliner Trust, ist es der zweite Hannover-Besuch nach 1994. An die verfolgten Angehörigen erinnern die Cora-Berliner-Straße sowie eine Gedenktafel am Haus in der Brühlstraße 27, das Klara von ihrem Vater Joseph geerbt hatte. Nach der Beschlagnahme hatte die Stadt Hannover 1941 alle wertvollen Einrichtungsgegenstände versteigern lassen, nur für den riesigen Rokoko-Wäscheschrank fand sich kein Abnehmer. Die selbst gefertigte Stickarbeit hatte Klara kurz vor ihrer Deportation einer früheren Hausangestellten geschickt.

Ihr 1938 gestorbener Vater gehörte zu den berühmtesten Hannoveranern, doch das schützte die alleinstehende Tochter nicht. Joseph Berliner war Gründer der ersten europäischen Telefonfabrik sowie der ersten Schallplatten-Fabrik, der Deutschen Grammophon GmbH in Hannover. Ihr Onkel war der berühmte Erfinder Emil Berliner (1851-1929).

© dpa-infocom, dpa:220512-99-263826/3

( dpa )