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Dokumentar-Theaterstück über Patientenmorde von Niels Högel

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dpa
Das Theaterkollektiv "werkgruppe2" probt am Staatstheater das Stück "Überleben".

Das Theaterkollektiv "werkgruppe2" probt am Staatstheater das Stück "Überleben".

Foto: dpa

Wie kann man weiterleben nach den unbeschreiblichen Verbrechen des Ex-Pflegers Niels Högel? Das dokumentarische Theaterstück "Überleben" sucht nach Antworten, im Wissen, dass viele Fragen zu der Mordserie wohl immer offen bleiben werden.

Oldenburg. Rund fünf Wochen vor einem weiteren Prozess im Zusammenhang mit den Patientenmorden des Ex-Pflegers Niels Högel wird am Staatstheater Oldenburg das Dokumentarstück "Überleben" auf die Bühne gebracht. Es ist eigentlich eine Wiederaufnahme, doch das Theater spricht auch von einer Uraufführung: Denn nach seiner Premiere am 29. Februar 2020 konnte das Stück damals wegen des Corona-Lockdowns nicht mehr gezeigt werden.

Jetzt sind fünf Aufführungen im Kleinen Haus mit dem Ensemble des Oldenburgischen Staatstheaters geplant. Dem dokumentarischen Projekt des Theaterkollektivs "werkgruppe2" waren mehrmonatige Recherche- und Probearbeiten vorausgegangen. Die Schauspieler lassen unter anderen Angehörige, Pfleger, Ärzte und Psychologen auf der Grundlage geführter Interviews zu Wort kommen.

"Das Theaterprojekt sucht nach den offenen Fragen und nach den Leerstellen in den Erzählungen, die das Verstehen des Geschehenen so schwierig machen", heißt es in der Vorankündigung. Högel wurde im Juni 2019 vom Landgericht Oldenburg wegen 85 Morden zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Der Ex-Pfleger hatte seine Opfer zwischen 2000 und 2005 in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst mit Medikamenten zu Tode gespritzt.

Auf die Bühne kommen nach Angaben der Macher "100 Prozent Interview-Aussagen", die wortwörtlich von den Schauspielern wiedergegeben werden. Viele hundert Seiten wurden aus rund 25 Interviews transkribiert auf rund 40 Seiten reduziert und verdichtet. In dem Stück erklingen zudem musikalische Neukompositionen für ein Bläser-Trio.

Die Wiederaufnahme hat zweieinhalb Jahre nach dem Urteilsspruch gegen den Ex-Pfleger weiter einen aktuellen Bezug. Im Zusammenhang mit der Mordserie müssen sich von 17. Februar 2022 an acht Verantwortliche und Mitarbeiter der Kliniken Oldenburg und Delmenhorst vor dem Landgericht Oldenburg verantworten. Ihnen wird in unterschiedlichem Umfang Totschlag durch Unterlassen beziehungsweise Beihilfe dazu vorgeworfen. Sie sollen nicht eingeschritten sein, um Morde von Högel zu unterbinden.

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