Familie

Häusliche Gewalt: Nutzung von Hilfsangeboten

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dpa
Ein Mann und eine Frau stehen hinter einem zerbrochenen Teller.

Ein Mann und eine Frau stehen hinter einem zerbrochenen Teller.

Foto: dpa

Homeschooling, finanzielle Nöte: Die Corona-Pandemie stellt besonders Familien auf eine harte Probe. Schutz vor gewalttätigen Partnern bieten die mehr als 40 Frauenhäuser in Niedersachsen. Tut die Landesregierung genug für den Gewaltschutz?

Hannover. Nach rund anderthalb Jahren Pandemie ist der Druck auf viele Familien enorm, Spannungen können sich in Gewalt entladen. Niedersachsens Sozialministerin Daniela Behrens ruft betroffene Frauen dazu auf, Hilfsangebote zu nutzen. "Der Anstieg von häuslicher Gewalt während der Pandemie ist erschreckend", sagte die SPD-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Umso wichtiger sei es, dass die Betroffenen das flächendeckende Netz an Hilfsangeboten und das gesamte niedersächsische Gewaltschutzsystem für Frauen nutzten.

Frauen sind in Beziehungen weitaus häufiger von Gewalt betroffen als Männer. Nach einer Auswertung des Bundeskriminalamtes wurden 2019 insgesamt 141 792 Menschen Opfer von Partnerschaftsgewalt, davon waren etwa 81 Prozent Frauen.

Die 43 vom Land geförderten Frauenhäuser sind laut Ministerium auf gleichbleibend hohem Niveau belegt. Es seien aber auch während der Pandemie zwischen 10 und 15 Prozent der Plätze frei, so dass noch Hilfesuchende aufgenommen werden könnten. Die regionale Auslastung sei unterschiedlich, tendenziell sei der Bedarf an Frauenhausplätzen in Ballungsräumen besonders groß. Zuletzt waren den Angaben zufolge 53 von 398 Plätzen in 26 Frauenhäusern frei (Stand 14. Juli).

Aus Sicht der Grünen-Politikerin Imke Byl reichen die Angebote nicht aus. Sie forderte die rot-schwarze Landesregierung auf, ein eigenes Gewaltschutzprogramm aufzulegen. "Die Hilfsangebote für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder sind seit Jahren unterfinanziert", sagte die frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag. "Die Corona-Pandemie hat dies noch einmal besonders deutlich gemacht. Frauen können wegen Job oder schulpflichtigen Kindern oft nicht mal eben in ein weit entferntes Frauenhaus ausweichen." Sie benötigten Hilfe an ihrem Wohnort, doch den Frauenhäusern fehlten Plätze und Personal.

Im vergangenen Jahr wurden in Niedersachsen 21 509 Fälle von häuslicher Gewalt registriert, das war eine Zunahme von 1343 Fällen im Vergleich zu 2019, wie aus der Polizeilichen Kriminalstatistik hervorgeht. 29 Menschen kamen im Jahr 2020 landesweit durch häusliche Gewalt ums Leben, darunter 24 Frauen.

Das Landeskriminalamt in Hannover will in einer Dunkelfeldstudie herausfinden, wie viele Taten in Familien gar nicht erst den Behörden bekannt werden. Zum Start dieser Studie im März sagte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD): "Wir wissen, dass nur sehr wenige Taten von den Betroffenen angezeigt werden. Gerade im Lockdown müssen wir aber wissen, ob es hier Zunahmen gibt und wie wir weiter gegensteuern und den Personen helfen können, die unter gewalttätigen Partnern leiden müssen."

© dpa-infocom, dpa:210721-99-458559/3

( dpa )