Geschichte

NS-Verbrechen in Bergen-Belsen: Stadtrat lenkt im Streit ein

Bergen. Der Streit zwischen der Gedenkstätte Bergen-Belsen und dem Stadtrat in Bergen über die Erinnerung an die Verbrechen im Nationalsozialismus ist beigelegt. Hintergrund war eine gemeinsame Erklärung beider zum Weltfriedenstag am 21. September, die CDU und FDP zunächst im Stadtrat ändern wollten. Am Donnerstagabend stimmte der Rat dann aber doch dem ursprünglichen Wortlaut zu - bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung der beiden AfD-Vertreter, wie Bürgermeisterin Claudia Dettmar-Müller (parteilos) am Freitag sagte. "Ich bin sehr erleichtert. Für die Stadt ist das enorm wichtig."

In der Erklärung heißt es nun wie von Beginn an vorgesehen: "Während des Zweiten Weltkrieges haben SS und Wehrmacht vor unserer Haustür unvorstellbare Verbrechen begangen." CDU und FDP hatten zwischenzeitlich im Verwaltungsausschuss der Stadt dafür gestimmt, die Formulierung in "Teile der Wehrmacht" zu ändern. Die Gedenkstätte hatte am Mittwoch kritisiert, die Stadträte leisteten damit "dem Geschichtsrevisionismus Vorschub". Hätte der Stadtrat die Änderung vollzogen, hätte die Gedenkstätte ihre Unterschrift zurückgezogen.

Den Angaben der Gedenkstätte zufolge starben von 1940 bis 1945 rund 20 000 überwiegend sowjetische Gefangene im Kriegsgefangenenlager Bergen-Belsen. "Dafür war die Wehrmacht verantwortlich", heißt es in der Stellungnahme vom Mittwoch. Im Konzentrationslager Bergen-Belsen starben demnach von 1943 bis 1945 rund 52 000 weitere Menschen. "Verantwortlich für das KZ war die SS", so die Gedenkstätte.