Kriminalität

Betrugsmasche Wasserwerker: Auf Senioren abgesehen

Eine Frau betritt das Landgericht.

Eine Frau betritt das Landgericht.

Foto: dpa

Mehrere Männer sollen monatelang vorwiegend hochbetagte Menschen bestohlen haben. Ihr Trick: Sie gaben sich als Mitarbeiter der Wasserwerke aus. In der Corona-Pandemie beobachtet das Landeskriminalamt niedersachsenweit einen Anstieg derartiger Taten.

Hannover. Nicht falsche Polizisten, sondern falsche Wasserwerker: Mit einer perfiden Betrugsmasche soll eine Bande gezielt Senioren vor allem im Raum Hannover bestohlen haben, viele Opfer waren weit über 80 Jahre alt. Drei Männern wird vorgeworfen, sich Zugang zu den Wohnungen der alten Leute verschafft zu haben, indem sie behaupteten, für die städtischen Wasserwerke zu arbeiten. Während die Opfer im Badezimmer abgelenkt wurden, soll ein Bandenmitglied sich auf die Suche nach Bargeld, Münzen und Schmuck gemacht haben.

Seit Freitag müssen sich ein 29-Jähriger und zwei 44-Jähriger nach der Serie von zwölf Taten zwischen Januar und Mai 2020 vor dem Landgericht Hannover verantworten. Ihnen wird gewerbsmäßiger Bandendiebstahl vorgeworfen. Einer der beiden 44-Jährigen soll nur in drei Fällen beteiligt gewesen sein, seine 55 Jahre alte Verlobte ist wegen Beihilfe angeklagt. Sie sitzt als einzige nicht in Untersuchungshaft.

Die Bande habe zunächst eine Vielzahl von Festnetznummern ausprobiert und danach in Mietwagen die Häuser der Senioren ausgekundschaftet, sagte Staatsanwalt Torben Jedamski. Kurz bevor sie an der Haustür klingelten, kündigten sie den Besuch der Wasserwerker per Telefon an, weil es angeblich einen Wasserrohrbruch in der Nachbarschaft gegeben habe. Die Betrüger hatten sogar gefälschte Ausweise dabei.

Insgesamt soll das Quartett Schmuck und Bargeld im Gesamtwert von 26 000 Euro erbeutet haben. Tatorte waren Garbsen, Sarstedt, Hemmingen, Ronnenberg, Isernhagen, Lehrte, Wunstorf und Springe. Einmal schlugen die Diebe auch in Hamburg zu. Bei ihrer letzten Tat wurden sie überwacht und mit der Beute im Auto festgenommen. Zwei Betrugsopfer sind nach Gerichtsangaben inzwischen gestorben.

Während der Corona-Pandemie sind in Niedersachsen nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) vermehrt ältere Menschen Opfer von Betrügern geworden. Beim Phänomen "Falsche Polizeibeamte" steigen die Fallzahlen bereits seit 2017 stark. 2018 lagen die Fallzahlen laut einer LKA-Sprecherin "im mittleren vierstelligen Bereich", in den ersten zehn Monaten 2020 bereits im oberen vierstelligen Bereich. Teilweise gaben die Kriminellen während der coronabedingten Einschränkungen vor, sie kämen vom Gesundheitsamt.

Auch der Betrug mit sogenannten Fake-Shops im Internet wird immer häufiger und erreichte laut LKA seinen Höhepunkt im Mai und Juni 2020. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen erhält derzeit täglich Hinweise zu unseriösen Online-Anbietern - möglicherweise auch weil in der Corona-Krise mehr Menschen im Internet shoppen. Die Fake-Shops seien immer professioneller gestaltet, sagte die Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale, Kathrin Körber. Die Verbraucherschützer warnen vor Betrug im Weihnachtsgeschäft und geben in der kommenden Black-Friday-Woche (23. bis 27. November) täglich Tipps für den Online-Kauf und den Schutz vor Datenklau.