Soziales

Corona: Grüne fordern mehr Hilfe für Kinder und Eltern

Volker Bajus, Sozialexperte der Grünen Niedersachsen.

Volker Bajus, Sozialexperte der Grünen Niedersachsen.

Foto: dpa

Millionen Kinder in Deutschland müssen unter oder knapp an der Armutsgrenze leben. Experten rechnen damit, dass Corona ihre Situation verschärfen wird. Die Grünen fordern mehr Unterstützung.

Hannover. Die oppositionellen Grünen fordern, in der Corona-Pandemie mehr Geld für die Kinderbetreuung von Familien und Alleinerziehenden auszugeben. Ebenso müssten Kinder und Jugendliche besser an der Gestaltung der Corona-Politik beteiligt werden. Auch Verbände müssten verbindlich mit an den Tisch. Dies sehe auch ein im November von den Grünen im Landtag eingebrachter Entwurf für ein Corona-Beteiligungsgesetz vor.

Volker Bajus, Sozialexperte der Grünen, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "In dieser Krise müssen Familien sicher sein, dass sie bei Corona-Maßnahmen auch bei der Kinderbetreuung finanzielle Unterstützung bekommen. Das ist in Niedersachsen nicht der Fall."

Aktuell verweise die Landesregierung beim sogenannten Szenario B in den Schulen darauf, dass dann Homeschooling nicht unter das Infektionsschutzgesetz falle. Deshalb bestehe kein Anspruch auf finanzielle Hilfe wie bei einer kompletter Schulschließung. Das sei ein Unding. Im Szenario B findet der Unterricht in geteilten Klassen abwechselnd in der Schule und als Homeschooling statt.

"Wir Grünen fordern, alle Regelungen für Szenario B an Schulen und Kitas im ersten Schritt umgehend an die Entschädigungsleistungen nach dem Bundesinfektionsschutzgesetz anzupassen", sagte Bajus. "In einem zweiten Schritt sollte Niedersachsen sich mit den anderen Ländern für bundesweite Verbesserungen bei der Elternhilfe für solche Pandemien einsetzen, am besten mit einem echten Corona-Elterngeld, das den Verdienstausfall vollständig ersetzt."

Schon vor der Corona-Krise war nach Zahlen des Statistischen Bundesamts fast jeder siebte junge Bundesbürger von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. 2,1 Millionen Kinder und Jugendliche waren den Angaben vom Donnerstag zufolge im vergangenen Jahr betroffen, ihr Anteil betrug 15 Prozent. Er sank zwar im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zwei Punkte. Doch die Pandemie wird nach Einschätzung von Experten die Lage in vielen Familien zuspitzen.

Daten zu den Auswirkungen der Krise auf die Armutsgefährdung von Kindern gibt es zwar noch nicht, wie Antje Funcke, Expertin für Familienpolitik bei der Bertelsmann Stiftung, sagte. Besorgniserregend sei aber beispielsweise die abnehmende Zahl von Minijobs, mit denen meist Frauen ein zweites Einkommen in die Familienkasse einbrächten. "Familien brauchen in der Regel zwei Einkommen", so Funcke. Auch wegen Kurzarbeit würden Ersparnisse angegriffen. Deshalb sei davon auszugehen, dass die Armut von Kindern und Familien in Folge der Pandemie zunehme.