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Ausstellung zu Sehnsuchtsorten nimmt Selfie-Faktor in Blick

Zwei Frauen in der Kunsthalle Emden an dem Bild „Der Marktplatz in Venedig“ des Künstlers Karl Kaufmann.

Zwei Frauen in der Kunsthalle Emden an dem Bild „Der Marktplatz in Venedig“ des Künstlers Karl Kaufmann.

Foto: dpa

Emden. Das Phänomen Sightseeing - angefangen 1500 bis in die heutige Zeit der sozialen Medien - beleuchtet eine Ausstellung in der Kunsthalle Emden. Bis zum 14. Juni sind dort rund 150 Werke von William Turner über Andy Warhol bis Ai Weiwei zu sehen - und auch Fotos, die auf der Online-Plattform Instagram geteilt werden: "Es gibt Instagrammer, die Bilder von anderen Instagrammern sammeln, um zu zeigen, dass die dieselben Orte auf der Welt in derselben Art und Weise zeigen", sagte der Kurator der Ausstellung "Sight Seeing. Die Welt als Attraktion", Stefan Borchardt. "Das finde ich sensationell als Erkenntnis: Es explodiert die Anzahl der Bilder, aber die Bilder sehen ganz ähnlich aus."

Das ist keineswegs neu: "Von Neuschwanstein gibt es zwei Ansichten, die man kennt, also die Frontalansicht, die Breitenansicht", so Borchardt. Das steigere den Wiedererkennungswert und beim Sightseeing gehe es schließlich um soziale Anerkennung. "Als Goethe in Italien war, setzte er als Motto seiner Reise "Et in Arcadia ego", also: "Auch ich in Arkadien". Das ist beim Besuch von Sehenswürdigkeiten die Botschaft: Ich bin auch da gewesen." Damals gehörte es sich für gebildete Bürger, Rom und Venedig gesehen zu haben. Auch heute sind das noch Touristen-Hotspots. Hinzu kommen neue Orte, zu deren Besuch schöne Fotos von Instagrammern mit riesiger Reichweite anstiften.