Konjunktur

Metallindustrie im Norden vor dem Abschwung

Ein Mitarbeiter eines metallverarbeitenden Betriebes schweißt eine Naht an einem Werkstück.

Ein Mitarbeiter eines metallverarbeitenden Betriebes schweißt eine Naht an einem Werkstück.

Foto: dpa

Nach vielen guten Jahren drohen in der Metall- und Elektroindustrie in Norddeutschland nun Umsatzrückgänge und Arbeitsplatzverluste. Das sagen jedenfalls die Arbeitgeber. Die nächste Tarifrunde im Frühjahr könnte hart werden.

Hamburg. Die Metallindustrie in Norddeutschland steht nach Einschätzung der Arbeitgeber vor einem scharfen Einschnitt. "Der Einbruch der Konjunktur ist da", sagte Thomas Lambusch, Präsident des Arbeitgeberverbandes Nordmetall, am Dienstag in Hamburg. Die Unternehmen beurteilten ihre Aussichten so schlecht wie seit zehn Jahren nicht mehr. 40 Prozent der Betriebe halte die Geschäftslage für unbefriedigend oder schlecht. Mehr als ein Drittel der Betriebe erwarte im kommenden halben Jahr Umsatzeinbußen. Gleichzeitig seien die Auftragsbestände deutlich zusammengeschmolzen. "Es gibt ab sofort deutlich weniger zu verteilen in Deutschland", sagte Lambusch.

Der negative Trend ziehe sich über alle Unterbranchen, von der Flugzeug-, Auto- und Schiffbauindustrie bis zum Maschinenbau und den Gießereien. Lediglich die Unternehmen der Elektrotechnik stünden noch etwas besser da. Die schwachen Konjunktursignale dürften nach Ansicht von Lambusch schon bald auch auf den Arbeitsmarkt durchschlagen. Erstmals seit Jahren hätten wieder mehr Unternehmen die Absicht, Arbeitsplätze abzubauen als aufzubauen. Der Fachkräftemangel bleibe dennoch ein Problem, weil die am Arbeitsmarkt gesuchten Qualifikationen bei den Betroffenen nicht immer vorhanden seien, wenn es zu Stellenabbau komme.

Ursache für den bevorstehenden Einbruch sind nach Ansicht der Arbeitgeberseite schlechtere Rahmenbedingungen. Die Arbeitskosten seien so hoch, dass die Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten Unternehmen auf den Weltmärkten gelitten habe. 81 Prozent der Unternehmen beklagten die Arbeitskosten als Hauptlast für den Standort Norddeutschland. So stieg der Anteil der Unternehmen, die ins Ausland ausweichen wollen, zuletzt auf 19 Prozent.

Der Verbandspräsident sagte einerseits, die Ergebnisse der Umfrage seien nicht auf die bevorstehende Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie im nächsten Frühjahr gemünzt. Andererseits stellte er den Zusammenhang her: "Für die Tarifverhandlungen heißt das, es kann kein 'Weiter so wie bisher' geben." Die IG Metall habe die guten Jahre weidlich zu nutzen gewusst. Zur Sicherung des Standortes Deutschland und zur Bewältigung von Digitalisierung und Globalisierung seien nun Investitionen erforderlich, aber keine weitere Erhöhung der Arbeitskosten.

Die IG Metall Küste erklärte, für ein Abpfeifen der Tarifrunde gebe es keinen Grund. "Nordmetall scheint regelrecht auf einen Konjunktureinbruch zu warten", sagte Bezirksleiter Meinhard Geiken. "In unseren Kernbereichen sehen wir keinen negativen Trend: Airbus und Co. sind über Jahre voll ausgelastet, und auch der Schiffbau ist stabil."

Geiken und Lambusch haben über viele Jahre die Tarifverhandlungen geführt, doch im nächsten Jahr sitzen auf beiden Seiten des Verhandlungstisches neue Gesichter. Für die IG Metall Küste verhandelt der neue Bezirksleiter Daniel Friedrich, der ab der kommenden Woche offiziell im Amt ist. Auf der Arbeitgeberseite tritt erstmals Lena Ströbele von der Bremer Lürssen-Gruppe als Verhandlungsführerin an.