Gesellschaft

Niedersachsen sucht Vision für 2030

Stephan Weil und Dietmar Harhoff, Professor am Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb.

Stephan Weil und Dietmar Harhoff, Professor am Max-Planck-Institut für Innovation und Wettbewerb.

Foto: dpa

Digitalisierung und Co. bringen tiefgreifende Veränderungen - für Niedersachsen ist das Chance und Herausforderung zugleich, sagt Ministerpräsident Weil. Er spricht von "disruptiven Zeiten".

Hannover. Ein kräftiger, weißer Roboter-Greifarm - sieht so Niedersachsens Zukunft aus? Vielleicht nicht, doch eines soll die Zukunft ganz sicher werden, wie das Gerät der Stiftung Robokind bei der ersten Fachveranstaltung der Kommission Niedersachsen 2030 zeigt: digital. "Wir leben wirklich in disruptiven Zeiten", sagte Ministerpräsident Stephan Weil zum Auftakt am Mittwoch in Hannover.

Der Gesellschaft stehe eine Vielzahl von Veränderungen bevor, vielleicht so viele wie nie zuvor, und das in immer schneller werdendem Tempo. Das sei einerseits eine Herausforderung für die Politik, sogar "für die demokratische Ordnung", sagte der SPD-Politiker. Aber: Die Veränderung biete auch große Chancen. Und in dieser "Kette von Innovationen" sei die Digitalisierung womöglich diejenige, die das Leben am tiefgreifendsten verändert, sagte Weil.

Die Kommission Niedersachsen 2030 - ein Gremium von zwölf Wissenschaftlerinnen und Forschern - soll deshalb bis Ende 2020 mögliche Szenarien und Handlungsoptionen entwickeln. Der Leiter der Kommission, Dietmar Harhoff vom Max-Planck-Institut in München, betonte, wie wichtig es sei, die Zukunft vorauszudenken. Denn während frühere Innovationen wie die Elektrizität langsamer auf die Gesellschaften zugekommen seien, bleibe heute kaum noch Zeit zu reagieren. "Das hat es in der Geschichte so noch nicht gegeben", sagte Harhoff. "Wir werden sozusagen Opfer unseres eigenen Erfolges."

Anders als etwa in China werde das Neue in Deutschland allerdings oft kritisch gesehen. Das wolle die Kommission anders angehen, sagte Harhoff: "Es geht nicht um Problemwahrnehmung, sondern um Lösungsansätze."

Wie diese Lösungen aussehen können, diskutierten die Wissenschaftler in fünf Fachforen mit rund 100 Experten aus Niedersachsen hinter verschlossenen Türen. Neben Robotik und Künstlicher Intelligenz sollte es etwa um Plattformen für eine neue Mobilität sowie die Digitalisierung des Gesundheitswesens und der Arbeit gehen.

Thomas Losse-Müller vom Beratungsunternehmen Ernst & Young warb vorab zum Beispiel dafür, autonome Autos miteinander zu vernetzen. Damit könne die Zahl der Unfallopfer effektiv gesenkt und die Umweltbelastung gesteuert werden - auch wenn die Stadt dem Auto dann womöglich einen Umweg vorschreiben könnte. Heinrich Klingler vom Klinikum Oldenburg beschrieb in einer Podiumsdiskussion einen Tele-Notdienst für die ärztliche Versorgung auf dem Land, und Tobias Ortmaier von der Leibniz-Universität Hannover sagte, Startups seien zentral für Innovationen: "Die sind nämlich frei von Ballast."

Die weiteren Zukunftsthemen, mit der die Landesregierung die Kommission betraut hat, sollen 2020 behandelt werden. Für März ist eine Fachveranstaltung in Oldenburg zu Ernährung, Landwirtschaft und Klimawandel angesetzt, im Juli soll es in Südniedersachsen mit Gesundheit, Pflege, Generationen und Zuwanderung weitergehen.