Bildung

Mehr Grundschullehrer in Niedersachsen benötigt

Eine Grundschullehrerin schreibt Worte, die mit "Sp" beginnen an die Tafel.

Eine Grundschullehrerin schreibt Worte, die mit "Sp" beginnen an die Tafel.

Foto: dpa

Der Bedarf an Grundschullehrern wird einer Bertelsmann-Studie zufolge in den nächsten Jahren deutlich steigen. Niedersachsens Kultusminister Tonne aber wiegelt ab: Das Land sei gut vorbereitet. Nicht alle teilen diese Einschätzung.

Hannover. In Niedersachsen werden nach Einschätzung von Kultusminister Grant Hendrik Tonne künftig mehr Grundschullehrer benötigt. "Die Geburtenzahlen steigen aktuell erfreulicherweise. Damit wird sich der Lehrkräftebedarf im Grundschulbereich dementsprechend erhöhen", sagte der SPD-Politiker am Montag in Hannover. Die Bertelsmann Stiftung kam in einer kurz zuvor veröffentlichten Studie auf 26 300 fehlende Grundschullehrer bundesweit bis zum Jahr 2025 - das sind 11 000 Lehrer mehr als bisher prognostiziert. Tonne zufolge weist die Studie allerdings "keine konkreten Erkenntnisse für unser Bundesland" aus.

Grundlage der Bertelsmann-Studie ist die Bevölkerungsprognose des Statistischen Bundesamts von Ende Juni. Auf dieser Grundlage erarbeite auch das Kultusministerium derzeit eine Prognose, sagte Tonne. Ein erster Zwischenstand lege nahe, dass es 2025 rund 300 000 Grundschüler in Niedersachsen geben werde - ein Anstieg um rund 14 000 Schüler im Vergleich zu den bisherigen Annahmen.

"Rein rechnerisch wären für diese Schülerinnen und Schüler dann rund 400 Grundschullehrkräfte einzustellen", sagte Tonne. Zum jetzigen Zeitpunkt seien das aber "reine Rechenbeispiele". Die Altersstruktur in Niedersachsen gebe Anlass zur Zuversicht, weil in den vergangenen Jahren schon viele junge Lehrer eingestellt worden seien.

Dem Verband niedersächsischer Lehrkräfte (VNL/VDR) zufolge fehlen Lehrer allerdings nicht nur an Grundschulen, sondern auch an den nicht-gymnasialen Schulen wie Ober-, Real- und Hauptschulen. "Das trifft insbesondere auf Niedersachsen nicht erst 2025, sondern schon heute zu", sagte der Landesvorsitzende des Verbandes, Torsten Neumann. Eine jährliche Erhebung des zukünftigen Lehrkräftebedarfs ist nach Ansicht des VNL/VDR unabdingbar.

Die Grünen kritisierten, die Lage an den Grundschulen im Land sei schon jetzt angespannt. "Kultusminister Tonne darf sich nicht mit Problembeschreibung begnügen, sondern wird sich in den nächsten Jahren an massiven Verbesserungen messen lassen müssen", sagte die Grünen-Bildungspolitikerin Julia Willie Hamburg.

"Der Lehrermangel ist offensichtlich und wird sich weiter verschlimmern", sagte auch FDP-Bildungspolitiker Björn Försterling. Die Landesregierung unterschlage, dass die Planungen des Kultusministeriums keine Entlastungen für Lehrer und Schulleitungen, wie etwa kleinere Klassen, vorsähen.

Auch in Bremen beobachtet die Opposition den drohenden Lehrermangel mit Sorge. "Bremen liegt schon jetzt bei der Bildung weit abgeschlagen hinter den anderen Bundesländern", sagte CDU-Bildungspolitikerin Yvonne Averwerser. "Wir können uns Lehrermangel, Stundenausfall und Einbußen bei der Qualität nicht leisten." Averwerser forderte Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) auf, für Transparenz hinsichtlich des Lehrerbedarfs zu sorgen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) machte sich mit Blick auf die bundesweite Studie erneut dafür stark, den Numerus clausus für das Lehramt an Grundschulen abzuschaffen. Außerdem solle die Zahl der Studien- und Lehramtsanwärterplätze ausgebaut werden.