Demonstrationen

Demokratie-Aktivist: Ray Wong lebt in Göttingen

Ray Wong, ehemals Aktivist in Hongkong und seit 2018 als politischer Flüchtling in Deutschland anerkannt.

Ray Wong, ehemals Aktivist in Hongkong und seit 2018 als politischer Flüchtling in Deutschland anerkannt.

Foto: dpa

Als der 25-Jährige in Deutschland politisches Asyl erhielt, protestierte China und sprach von einer "Einmischung". Wong wünscht sich, dass der Westen Druck auf Peking ausübt, damit China die Menschenrechte achtet.

Göttingen. Die Demokratiebewegung in Hongkong macht mit ihrem Millionen-Protest gegen die chinesische Regierung derzeit weltweit Schlagzeilen. Ein Gesicht des Protestes gegen Peking lebt in Göttingen: Der 25-jährige Ray Wong ist als politischer Flüchtling anerkannt. Bei einer Kundgebung vor gut einer Woche in Hongkong wurde eine Videobotschaft von ihm gezeigt. Deutschland und der Westen sollten die Demokratiebewegung in Hongkong stärker unterstützen, sagte Ray Wong anschließend der Deutschen Presse-Agentur. Es gehe darum, China deutlich den Willen zum Schutz universeller Werte und Menschenrechte zu zeigen.

"Meiner Meinung nach hat China keine Sorge, Leute in Hongkong, Taiwan und Tibet oder Uiguren zu unterdrücken, weil es keine Konsequenzen dafür bekommt", erklärte Wong. Vor einer Woche waren in der ehemaligen britischen Kolonie, die seit 1997 wieder zu China gehört, deutlich mehr als eine Million Menschen für Demokratie und Freiheit auf die Straße gegangen.

Der 25-Jährige und der zwei Jahre ältere Alan Li sind die ersten Aktivisten aus Hongkong, von denen bekannt ist, dass sie in Europa politischen Schutz bekommen haben. Ihnen war die Teilnahme an gewaltsamen Protesten 2016 angelastet worden. Als sie Ende 2017 auf Kaution auf freiem Fuß waren, setzten sie sich nach Deutschland ab. Im Mai 2018 wurden ihre Asylanträge anerkannt. Chinas Regierung protestierte und sprach von einer "Einmischung". Wong, der inzwischen gut Deutsch spricht, beginnt zum Wintersemester ein Studium der Philosophie und Politikwissenschaft in Göttingen. Li werde demnächst zum Studieren nach Berlin ziehen, sagte er.

Als Sonderverwaltungszone sind Hongkong umfangreiche Sonderrechte garantiert. Allerdings endet die Übergangszeit im Jahr 2047. "Zurzeit haben wir nicht genügend Kraft, das Eindringen Chinas in Hongkong zu verhindern", sagte Wong. Er hoffe trotzdem auf Veränderungen - "wenn die freie Welt dabei zusammenarbeitet, auf China Druck auszuüben". Als letztes Mittel seien auch Sanktionen denkbar.

"Ich verstehe gut, dass es in der Zeit der Globalisierung schwer ist, sich von einem Land komplett zu trennen. Die deutschen Unternehmen sind schon ziemlich abhängig von China", meinte Wong. Doch Gleichgültigkeit führe zu menschlichem Leid. Er selbst wäre für sieben bis zehn Jahre ins Gefängnis geworfen worden, wenn er in Hongkong geblieben wäre. Auf die Demonstranten sei er sehr stolz.