Verbraucher

Leichterer Zugang zu digitalem Nachlass für Erben gefordert

Die Rechtslage ist klar, doch es hapert an der praktischen Umsetzung: Im Todesfall kommen Erben nur sehr schwer an Internet-Zugänge des Gestorbenen heran. Verbraucherschützer dringen auf Verbesserungen.

Hannover. E-Mail-Dienste, soziale Netzwerke oder Fitness-Armbänder: Wer heute stirbt, hinterlässt eine Menge digitaler Daten im Internet. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) gehen sie wie Gegenstände auf die Erben über. Die Hinterbliebenen können über sämtliche Daten verfügen. Bei Onlinediensten seien Informationen über die Regelungen im Todesfall des Benutzers schwer auffindbar, kritisierte die Verbraucherzentrale Niedersachsen am Freitag. Für Hinterbliebene sei es meist sehr umständlich und kompliziert, Zugang zu im Internet eröffneten Accounts zu erhalten oder diese zu löschen.

Die Verbraucherschützer plädieren für transparente, leicht auffindbare Informationen und praxistaugliche Regelungen zum digitalen Nachlass. "Vorstellbar wäre es etwa, dass Kunden bereits im Benutzerkonto eine Vertrauensperson benennen sowie gegebenenfalls Wünsche für den Umgang mit dem digitalen Dienst nach ihrem Tod hinterlegen können", sagte Kathrin Körber, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. So könnten unnötige Barrieren abgebaut und sichergestellt werden, dass nur vertraute Personen Zugriff zu persönlichen Daten erhalten.

Für die nicht repräsentative Untersuchung der Verbraucherzentrale waren 14 Anbieter von Onlinediensten zufällig ausgewählt worden. Einige forderten für den Zugriff auf den Account des Gestorbenen einen Erbschein, der aber erst nach Antritt eines Erbes ausgestellt wird. Andere verlangten lediglich die Sterbeurkunde oder eine Kopie der Traueranzeige. Diese Handhabe sei ebenso unbefriedigend, weil sich Unbefugte leicht Zugriff verschaffen könnten, sagte Körber.