Klimawandel

Ostfriesische Familie verklagt EU auf besseren Klimaschutz

Die ostfriesische Insel Langeoog im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Die ostfriesische Insel Langeoog im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer

Foto: Picture Alliance

Langeoog in Not: Der steigende Meeresspiegel bedroht ihre Menschenrechte, sagt eine Hotel-Familie. Die Klage setzt Maßstäbe.

Berlin/Brüssel. Eine Familie von der Nordsee-Insel Langeoog hat die Europäische Union verklagt, damit die EU mehr für den Klimaschutz tut. Mit ihr fordern neun weitere Familien aus Europa, Kenia und Fidschi vor dem Gericht der Europäischen Union einen besseren Schutz ihrer Grundrechte, wie die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch am Donnerstag mitteilte. Die klagende Familie Recktenwald wohnt seit vier Generationen auf der ostfriesischen Insel Langeoog. Sie sieht ihre Heimat und ihr als Familienbetrieb geführtes Hotel und Restaurant durch den steigenden Meeresspiegel bedroht.

„Bei der Klage geht es nicht nur um uns und die aktuelle Situation, sondern um die Zukunft aller“, sagt Maike Recktenwald. „Was bei uns auf der Insel und in Norddeutschland passiert, ist ein globales Problem. Wir nehmen den Klimawandel besonders wahr, weil wir in und mit der Natur leben.“

Die Klage richtet sich gegen den Europäischen Rat und das Parlament. Die Familien wollen erreichen, dass die EU die Emissionen klimaschädlicher Gase stärker eindämmt sowie die Klima- und Energieziele für 2030 nachbessert. Aktuell peilt die EU eine Verringerung der Emissionen um 40 Prozent bis 2030 im Vergleich zu 1990 an.

"Klimawandel bedroht die Menschenrechte"

Laut Germanwatch sind die Kläger besonders bedroht von Folgen des Klimawandels – also von Wassermangel, Überschwemmungen, dem Rückzug von Eis und Schnee, vom steigenden Meeresspiegel sowie von mehr Stürmen und Hitzewellen. Ihr Prozessvertreter, der Bremer Professor Gerd Winter, erklärte: "Grundrechte der EU waren bisher vor allem Vehikel des wirtschaftlichen Wachstums. Sie garantieren aber auch, dass ein Klima erhalten bleibt, welches Leben, Arbeit und Eigentumsgebrauch ermöglicht." Neben Winter vertreten auch die Hamburger Umweltanwältin Dr. Roda Verheyen und der Londoner Rechtsanwalt Hugo Leith die Kläger.

Die Staaten der EU seien für rund zehn Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich, hieß es. Die EU sei damit der drittgrößte Emittent hinter China und den USA.