Niedersachsen

Zwei tote Pottwale auf Wangerooge angespült

Hans Uhlmann vom Naturschutzverein Mellumrat neben einem angeschwemmten toten Pottwal

Hans Uhlmann vom Naturschutzverein Mellumrat neben einem angeschwemmten toten Pottwal

Foto: Peter Kuchenbuch-Hanken / dpa

Die beiden knapp 13 Meter langen Tiere wurden an der Ostspitze der Insel gefunden. Der Umgang mit den Kadavern ist nicht ungefährlich.

Wangerooge. Außergewöhnlicher Fund auf der Insel Wangerooge: Dort sind zwei tote Pottwale am Strand angespült worden. Das größere der beiden männlichen Tiere ist knapp 13 Meter lang, das kleinere knapp 12 Meter. Einen solchen Fund habe es auf der Insel noch nicht gegeben, sagte Inselbürgermeister Dirk Lindner am Freitag. Was mit den Kadavern nun geschieht, ist noch unklar.

Der Bürgermeister sagte: „Auf der einen Seite ist der Fund sehr beeindruckend, auf der anderen Seite sehr traurig.“ Die beiden Wale seien offenbar schon länger tot. „Sie sind ziemlich eingefallen.“

„Wenn sie einmal im flachen Gewässer sind, haben sie keine Chance mehr“

Doch wie ungewöhnlich ist der Fund? „Alle paar Jahre kommt es schon vor, dass tote Pottwale angespült werden“, sagte Imke Zwoch vom Nationalpark Wattenmeer. Männliche Pottwale würden zum Winter hin vom Äquator in Richtung Polarkreis pendeln, weil die Gegend dort sehr nahrungsreich sei. Dabei folgten sie dem Golfstrom. Vermutlich hätten sich die Tiere dabei verirrt und seien zwischen Schottland und Norwegen oder aus dem Ärmelkanal falsch abgebogen, sagte Bürgermeister Lindner.

„Wenn sie einmal im flachen Gewässer sind, haben sie keine Chance mehr“, sagte Lindner. „Das ist ihr Todesurteil. Im flachen Gewässer funktioniert ihre Ortung nicht mehr.“

Naturschützer Hans Uhlmann vom Mellumrat hatte die beiden toten Wale am Freitag an der Ostspitze der Insel entdeckt. Das sagte Mathias Heckroth, der Geschäftsführer des Mellumrates, der sich auf Wangerooge unter anderem um Rangeraufgaben wie die Überwachung von Schutzzonen oder die Zählung von Tieren kümmert.

Gefahr der Explosion

„Wir stellen nun zunächst die Bewachung der Kadaver sicher“, sagte Heckroth. Die Tiere dürften nicht beschädigt werden, etwa durch Trophäenjäger. „Wir warnen davor, die Wale zu berühren. Es ist unklar, ob eine Gesundheitsgefahr von ihnen ausgeht, das könnte möglich sein.“ Es könne aber auch passieren, dass die Kadaver bei einer der folgenden Fluten wieder in die Nordsee gespült würden.

Heckroth betonte, es müsse nun genau untersucht werden, wodurch die Wale tatsächlich gestorben seien. Wer dafür zuständig ist, wie es mit den toten Tieren weitergeht, war am Freitag zunächst noch nicht klar. Aus dem niedersächsischen Umweltministerium hieß es, verantwortlich seien nun zunächst die Behörden vor Ort und der Nationalpark.

Nach Angaben der Nationalparkverwaltung war 1994 auf Baltrum ein Pottwal angeschwemmt worden, der anschließend nach Norddeich geschleppt wurde, wo er entbeint und präpariert wurde. Dieser Wal ist heute in Wilhelmshaven ausgestellt. 1996 war ein 16 Meter langer toter Pottwal an der Insel Norderney gestrandet. Der 30 Tonnen schwere Koloss wurde später in einer Grube im Dünengürtel der Insel versenkt. Zuletzt war 2012 auf Juist ein neun Meter lange toter Zwerg- oder Minkwal am Strand entdeckt worden.

Der Umgang mit den Kadavern sei nicht ungefährlich, sagte Imke Zwoch. Theoretisch könnten sich in dem toten Organismus Gase in einem solchen Ausmaß bilden, dass der ganze Wal explodiere.