Komiker

Otto Waalkes erhält Verdienstkreuz und klopft freche Sprüche

Geboren um zu blödeln: Nach diesem Motto witzelt Otto sich seit Jahrzehnten durch das Leben. Am Freitag hat er einen weiteren Preis bekommen – und dabei munter seine Sprüche geklopft.

Emden. Warum nimmt der Ostfriese ein Messer mit ans Meer? Um damit in See zu stechen. Und was macht ein Ostfriese bei Ebbe? Er verkauft Bauland an Japaner. Mal sind sie selten dämlich, manchmal oberschlau, die Küstenbewohner im Nordwesten – zumindest in den mehr oder weniger lustigen Ostfriesen-Witzen.

Seit den 70er Jahren verbreiten sie sich quer durch Deutschland und zeitgleich wird ein echter Friesenjunge bekannt: Otto Waalkes. Bis 2007 klettert er nach Loriot und Heinz Erhardt auf Platz 3 im Ranking der beliebtesten deutschen Komiker. Die Liste der Preise für den Spaßvogel ist seit Freitag um eine Auszeichnung länger geworden: In seiner ostfriesischen Heimatstadt Emden nahm Otto das Große Verdienstkreuz des Landes Niedersachsen entgegen.

Bei der Preisverleihung klopft der Komiker weiter freche Sprüche. „Wie hoch ist dieser Preis dotiert, vielleicht ein kostenloser Friseurbesuch?“, fragte er. Und machte sich Sorgen, wie er sich korrekt verhalten soll: „Ich kann das gar nicht annehmen. Der Preis ist ja nur verliehen – muss ich ihn dann wieder zurückgeben?“

Wer den heute 66 Jahre alten Komiker noch aus seiner quirligen Anfangszeit kennt, ist damals vermutlich auch sein Fan geworden. So wie Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD): „Für jemanden aus meinem Baujahr (1958) ist Otto seit ungefähr 40 Jahren ein ständiger Begleiter“, sagt Weil bei der Ordensverleihung am Freitag. Er kenne noch heute ganze Passagen aus Ottos Programm auswendig: „Die drei entscheidenden Fragen des menschlichen Lebens etwa: Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Und was machen wir in der Zwischenzeit? Eine Einsicht, die sich vielfältig auf die SPD übertragen lässt“, sinniert der Sozialdemokrat.

Kalauer, Wortspiele, Jodeltöne und kehlige Laute wurden Markenzeichen des schlaksigen Emders, dessen schulterlange blonde Haare sich inzwischen gelichtet haben und meist von einer Schirmmütze verdeckt werden. Figuren wie der Reporter Harry Hirsch oder Schlager-Parodien wie „Dänen lügen nicht“ sind Kult. Die Filme „Otto – Der Außerfriesische“, „7 Zwerge – Männer allein im Wald“ und „Otto's Eleven“ füllen die Kinosäle, und zwischendurch macht Otto auch wieder Musik: Als Udo Lindenberg beim Konzert „Betreutes Rocken“ über sein Alter witzelt, lässt er sich mit Otto im Rollstuhl über die Bühne schieben.

„Es gibt die starke Bereitwilligkeit des Deutschen, über sich selbst zu lachen“, sagt Otto im Sommer in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“. Viele Menschen könnten Witze über die eigene Stadt, ihr Land und die eigene Mentalität aushalten. „So viel Selbstbewusstsein ist gar nicht selbstverständlich.“

Otto habe durch „ungehemmten Nonsens“ dazu beigetragen, dass die Deutschen viel lockerer geworden seien, glaubt Weil. Der Komiker sei zudem das lebende Dementi zum Bild des dämlichen Ostfriesen, das früher in den Witzen vermittelt wurde: „Er war immer der anarchistische Ostfriese.“

Otto lebt seit Jahren in Hamburg, kehrt aber immer wieder in seine Heimatstadt Emden zurück, gibt dort Autogramme oder signiert seine „Ottifanten“. Die im Laufe seiner Karriere gesammelten Preise und Auszeichnungen will er in seinem Museum Otto-Hus in Emden ausstellen.