Osterpredigt

Flüchtlingspolitik: Christliche Werte versinken im Mittelmeer

Bei ihrer Osterpredigt rufen die Bischöfe von Hannover, Hildesheim und Osnabrück zu Hilfe und Mitgefühl für andere auf – und üben harsche Kritik an der Abschottungspolitik der EU. Deutschland brauche eine Willkommenskultur für Menschen in Not, so der Bischof in Osnabrück.

Hannover/Osnabrück. Die Bischöfe in Niedersachsen haben in ihrer Osterpredigt zu mehr Nächstenliebe und Hilfe für Menschen in Not aufgerufen. Hannovers evangelischer Landesbischof Ralf Meister hat dringend notwendige Veränderungen für die Zukunft angemahnt. „Wir leben in einer Welt, die von Streit und Konflikt und Tod beherrscht wird“, sagte Meister in seiner Osterpredigt. „Wir schauen mit Sorge auf die Lage in der Ukraine, wir sind ratlos, wie übrigens auch alle Politiker, beim Blick nach Syrien.“

Bei Sorgen und Konflikten richte sich der Glauben heute viel zu sehr auf die eigene Person, Christus werde als Tröster für das eigene Leid angerufen. Dies sei ein zu verengtes Bild, so Meister. „So sehr die Verantwortung für diese Welt auch in unseren Händen liegt, so sehr ist es eine Verantwortung, die wir nicht nur für uns, sondern für die ganze Schöpfung annehmen.“

Auch der katholische Bischof von Osnabrück, Franz-Josef Bode, hat in seiner Osterpredigt zur Hilfe für andere aufgerufen. „Anstelle falscher Reden über Flüchtlingsströme, die nur Wasser auf die Mühlen rechtsgerichteter Kreise sind, braucht Deutschland eine Willkommenskultur für Menschen in Not“, sagte Bode laut Redemanuskript in der Osternacht im Osnabrücker Dom. Die Abschottungspolitik der EU lasse die Werte des christlichen Europas im Mittelmeer versinken, kritisierte der Bischof.

Die wenigen, die Europa erreichten, würden einen sozialen Tod durch Isolierung, Bürokratie, Fremdenangst, Abschiebung, Haft und erschwertem Zugang zu Arbeit und Bildung sterben, sagte Bode weiter. Mehr als 85 000 Menschen lebten in Deutschland nur als Geduldete. „Ihre Kinder sind hier geboren, aufgewachsen. Sie hoffen auf ein humanitäres Bleiberecht, das ihnen eine Perspektive gibt.“

Der katholische Bischof des Hildesheimer Bistums, Norbert Trelle, betonte in seiner Osterpredigt, dass auch Zweifel und Unsicherheit zu Ostern gehörten und bezog sich dabei auch auf aktuelle Katastrophen. „Es gibt Augenblicke, Stunden, Tage, Jahre, vielleicht sogar ganze Abschnitte des Lebens, in denen wir einfach nicht „ja' zur Auferstehung sagen können – vielleicht beim Tod eines lieben Menschen, den wir eigentlich noch nicht loslassen können; vielleicht angesichts der sinnlosen Kriege, Vertreibungen und Foltern, die unzählige Menschenleben kosten, vielleicht auch bei schrecklichen Katastrophen wie der vor der koreanischen Küste.“ Zweifel und Angst müssten aber durchgestanden werden, denn Gott sei immer da.