Hannover

Eltern stellen nach Tod des Flüchtlingskindes Anzeige

Foto: Holger Hollemann / dpa

Nach dem Tod eines Flüchtlingskind in Hannover reißt die Kritik nicht ab. Die Eltern des Babys, das als Notfall von einer Klinik in Hannover abgewiesen wurde, haben Anzeige wegen des Verdachts auf Totschlag gestellt.

Hannover. Nach dem tragischen Tod eines Flüchtlingskindes in Hannover haben die Eltern aus Ghana über einen Anwalt Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Die Anzeige werde nun in die Ermittlungen einfließen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover am Mittwoch.

Die Fahnder untersuchen die Todesumstände eines Babys, das am 10. April als Notfall von der Klinik Auf der Bult in Hannover abgewiesen worden sein soll. Dies soll mit einem fehlenden Einweisungsschein begründet worden sein. Eine Stunde später soll das Baby auf dem Rückweg von der Hausärztin zur Klinik gestorben sein.

Die "Bild"-Zeitung berichtete am Mittwoch, dass der Anwalt der Familie Anzeige wegen des Verdachts des Totschlags durch Unterlassen gestellt habe. Die Mutter des Kindes sagte der Zeitung, dass ein Pförtner sie in die Notaufnahme geschickt habe. Sie habe ein Anmeldeformular ausfüllen sollen und dann habe es plötzlich geheißen, dass sie sich erst einen Krankenschein holen müsse. "Keine Schwester, kein Arzt hat nach Joshua geschaut", wird die Mutter zitiert.

Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte nach eigenen Angaben eine Obduktion angeordnet, die am Montag durchgeführt wurde. Mit Ergebnissen wird erst nach Ostern gerechnet. Die Arbeitsgemeinschaft Pro Asyl übte heftige Kritik. "Das ist ein weiterer erschütternder Fall, der zeigt, dass die systematische Diskriminierung von Flüchtlingen durch das Asylbewerberleistungsgesetz die Betroffenen tödlichen Risiken aussetzt", sagte die rechtspolitische Referentin Marei Pelzer nach einer Mitteilung.

Niedersachsens Landesbeauftragte für Migration, Doris Schröder-Köpf, forderte eine Entbürokratisierung bei der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen. "Erst helfen, dann Kostenfrage klären", sagte sie am Mittwoch. Die migrationspolitische Sprecherin der niedersächsischen Grünen, Filiz Polat, betonte: "Das Grundgesetz ist migrationspolitisch nicht relativierbar." Flüchtlinge dürften in der Krankenversorgung nicht diskriminiert werden.

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