Amtsgericht Vechta

Im Dioxin-Prozess wird Ende Oktober weiter verhandelt

Foto: Ingo Wagner / dpa

Der bundesweit erste Prozess nach dem Dioxin-Skandal vor fast drei Jahren dauert an. Das Amtsgericht Vechta hat einen 15. Verhandlungstag festgesetzt. Sachverständige sollen noch einmal befragt werden.

Vechta. Der Dioxin-Prozess vor dem Amtsgericht Vechta zieht sich weiter in die Länge. Am Donnerstag wurde einem neuen Beweisantrag der Staatsanwaltschaft stattgegeben. Zwei Experten des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sollen nochmals zu den dioxinbelasteten Futtermittel- und Eierproben des Instituts Stellung nehmen. "Wenn der Gutachter feststellt, dass die dioxinhaltigen Eier auch von einem anderen Produzenten stammen könnten, bleibt nur ein Freispruch", sagte Rechtsanwalt Frank Roeser nach der Verhandlung.

Seit einem halben Jahr müssen sich zwei frühere Geschäftsführer eines Futtermittelunternehmens aus Damme (Kreis Vechta) wegen Verstößen gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch verantworten. Die 63 und 48 Jahre alten Angeklagten sollen wissentlich mit Dioxin belastetes Tierfutter verkauft und als unbedenklich bescheinigt haben. Eigentlich sollte das Verfahren am Donnerstag enden.

"Die Beweislage hat sich ein bisschen verändert nach dem letzten Verhandlungstag", sagte Richterin Annette Klausing zu Beginn. Am 20. September hatte ein Zeuge ausgesagt, seine Eier an den Eierproduzenten verkauft zu haben, bei dem später dioxinhaltige Eier entdeckt worden waren. Nach Angaben von Roeser ist der Eierproduzent der Kronzeuge der Staatsanwaltschaft. Bisher hatte er als Zeuge vor Gericht immer erklärt, nur eigene Eier in seinem Hofladen verkauft zu haben. Er hatte das Futter bei der Dammer Firma bezogen. Inzwischen sei nicht ausgeschlossen, dass er auch von anderen Futtermittelherstellern Ware bezogen habe, sagte Rechtsanwalt Axel Dohmann.

"Mit so einem Zeugen kann man keine Anklage weitermachen", sagte Roeser. Für Dohmann ist zumindest ein Straftatbestand entfallen. Die vorliegende Unbedenklichkeitsbescheinigung habe sich auf das gelieferte Schweine- und nicht auf das Hühnerfutter bezogen, sagte der Anwalt. Das sei eindeutig, sagte Richterin Klausing. Der Prozess wird am 31. Oktober mit den beiden Gutachtern fortgesetzt. Die Höchststrafe liegt bei einem Jahr.

Der Dioxin-Skandal war Ende 2010 bekanntgeworden. Eine Firma aus Schleswig-Holstein hatte verunreinigtes Futterfett verkauft – unter anderem an den Betrieb aus Damme. Dieser stellte wie andere Betriebe auch Tierfutter her und belieferte zahlreiche Höfe. Nachdem Kontrolleure Dioxin in Fleisch und Eiern gefunden hatte, ließen die Behörden Zehntausende Schweine und Hühner töten. In vielen Bundesländern wurden Höfe gesperrt.

© Hamburger Abendblatt 2017 – Alle Rechte vorbehalten.