Niedersachsen

Mehr Polizei-Nachwuchs mit Migrationshintergrund

Die Polizei in Niedersachsen wirbt seit Jahren verstärkt um multikulturellen Nachwuchs. Die Zahl der Bewerber mit ausländischen Wurzeln an der Polizeiakademie liegt dieses Jahr höher denn je.

Hannover. Bei der niedersächsischen Polizei bewerben sich immer mehr Menschen mit ausländischen Wurzeln. Wenige Wochen vor dem diesjährigen Einstellungstermin am 1. Oktober liegt die Quote der Bewerber mit Migrationshintergrund für ein Studium nach Angaben der Polizeiakademie mit 18 Prozent so hoch wie nie. Die Polizei wirbt ganz bewusst um multikulturellen Nachwuchs. „Unsere Anstrengungen tragen bereits Früchte“, sagte Michael Höhne, verantwortlich für die Nachwuchsgewinnung der Polizeiakademie.

Dieses Jahr haben sich rund 4800 Interessierte um ein Bachelor-Studium beworben, davon 857 und damit 18 Prozent mit Migrationshintergrund – im vergangenen Jahr waren es 15 Prozent. „Wir konnten die Kontingente an Bewerbern mit Migrationshintergrund ständig erhöhen“, berichtete Höhne. Von den zum Oktober 680 eingestellten Nachwuchskräften stammen nach vorläufigem Stand knapp 80 aus ausländischen Familien.

„Wir haben in der Bevölkerung Niedersachsens einen Anteil von rund 17 Prozent mit Migrationshintergrund. Das versuchen wir in den Einstellungen widerzuspiegeln“, sagte Klaus Dierker von der Gewerkschaft der Polizei in Niedersachsen. Bisher haben nach Angaben des Innenministeriums 701 der mehr als 24.000 Beschäftigten der Polizei einen Migrationshintergrund – ein Anteil von knapp drei Prozent.

Mit mehrsprachigen Flyern und einer Telefon-Hotline wirbt die Polizeiakademie für die Laufbahn zum Kommissar. „Mein Apparat steht selten still“, sagte Höhne. Nicht nur in Anzeigen, auf Plakaten und in sozialen Netzwerken, auch auf Messeauftritten setzt die Polizeiakademie zudem bewusst Beamte mit sichtbarem Migrationshintergrund ein, um ausländischen Nachwuchs anzuziehen. „Zudem erfolgt durch die Polizeibehörden vor Ort eine Kontaktaufnahme beispielsweise zu Kulturvereinen oder Moscheen, um dort über den Polizeiberuf aufzuklären“, teilte ein Sprecher der Akademie mit.

EU-Bürger können auch ohne deutsche Staatsangehörigkeit Polizist werden. Wer nicht aus der EU kommt, braucht eine Niederlassungserlaubnis in der Bundesrepublik. „Egal ob aus der Türkei, Nahost oder den GUS-Staaten – wir sind für alles offen“, sagte Höhne. „Die bringen kulturelle Insider-Kenntnisse und wissen, wie man die eigenen Leute anspricht“, sagte Höhne. Auch eine Sprachbarriere hätten die Migranten nicht. „Die können wunderbar vermitteln“, meinte Höhne.

Polizeibeamte mit Migrationshintergrund können nach Dierkers Angaben auch Barrieren abbauen. Zunehmend würden Einwandererfamilien direkt angesprochen. Das Interesse von Schulabgängern sei groß, aber Eltern hätten herkunftsbedingt oft Vorbehalte, begründet er.