Prävention

In Hannover eröffnet Ambulanz für pädophile Männer

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Das Projekt soll sexuellen Missbrauch von Kindern verhindern, indem es Pädophilen ermöglicht, an Gruppentherapien teilzunehmen.

Hannover. Die Medizinische Hochschule Hannover eröffnet im kommenden Jahr eine ambulante Einrichtung für pädophile Männer. Das Präventionsprojekt soll sexuellen Missbrauch von Kindern verhindern. Es richtet sich an Männer mit pädophilen Neigungen, die bisher nicht als Sexualstraftäter auffällig wurden. „Jedes Opfer weniger ist uns wichtig“, sagte der Sexualwissenschaftler Uwe Hartmann am Mittwoch. Opfer sexuellen Missbrauchs seien lebenslang traumatisiert. Über das Projekt hatte zuvor die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichtet.

Studien zufolge fühlen sich in Deutschland etwa 250 000 Männer zwischen 18 und 75 Jahren sexuell zu Kindern hingezogen. In Niedersachsen geht Hartmann von rund 10 000 Betroffenen aus. In der kostenlosen, anonymen Therapie sollen sie lernen, besser mit ihren Impulsen umzugehen. Für die Gruppentherapie und Einzelgespräche müssen sie einmal in der Woche nach Hannover kommen. Das Sozialministerium fördert das Projekt zunächst für drei Jahre mit jährlich 120 000 Euro. Start ist im Februar oder März.

An der Berliner Charité hatten Sexualmediziner bereits vor sieben Jahren mit dem damals weltweit einmaligen Präventionsprojekt namens „Dunkelfeld“ begonnen. An die Anlaufstelle wandten sich bis Juli 2011 etwa 1400 Männer und wenige Frauen. Weitere Ambulanzen wurden in Kiel, Regensburg und Leipzig eröffnet. Auch Hamburg will ein „Dunkelfeld“-Projekt einrichten.

Untersuchungen zufolge fühlen sich etwa 0,5 Prozent bis 1 Prozent aller Männer sexuell ausschließlich oder auch von Kindern angezogen. Jährlich werden 15 000 Fälle von sexuellem Missbrauch angezeigt, die Dunkelziffer wird etwa viermal so hoch geschätzt. Das Team um Hartmann und seinen Kollegen Tillmann Krüger hofft, dass sich möglichst viele Betroffene in Hannover melden. „Sie müssen sich sagen: Ich bin so gestrickt, aber ich will kein Täter werden. Das ist ein Schritt, den leider nicht alle gehen“, sagte Hartmann.

(dpa)