Wintersport im Harz

Wurmberg soll für Skifahrer attraktiver werden

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Mit Beschneiungsanlage und neuen Pisten wollen Investoren den Tourismus ankurbeln. 16 Hektar Wald sollen neuen Pisten zum Opfer fallen.

Braunlage. Für diesen Winter hat der Bürgermeister von Braunlage, Stefan Grote, den Wettergott noch einmal um ganz viel Niederschlag im Harz gebeten. „Ohne Schnee tut sich hier nämlich nicht viel, da bleiben viele Touristen weg“, sagt er. Ab dem nächsten Herbst kann der SPD-Politiker die Wetterprognosen gelassener studieren. Denn mit Beginn der Wintersaison 2012/2013 soll der nördlich von Braunlage aufragende Wurmberg, mit 971 Metern die höchste Erhebung im niedersächsischen Teil des Harzes und damit ganz Norddeutschlands, künstlich beschneit werden.

Braunlage, freut sich schon die „Goslarsche Zeitung“, werde damit zum „Mekka des alpinen Skisports im Harz“. Denn neben dem Bau der Beschneiungsanlage sollen auf dem Wurmberg auch neue Pisten angelegt und weitere Lifte installiert werden. Die in die Jahre gekommene Wurmberg-Schanze für Ski-Springer wird ebenfalls modernisiert.

Am Fuß des Bergs entsteht ein großer neuer Parkplatz für bis zu 600 Autos, um das schon sprichwörtliche Verkehrschaos rund um Braunlage zu reduzieren. Das Wasser für die Beschneiungsanlage soll aus einem neuen künstlichen See auf der Kuppe kommen, der im Sommer als Badegewässer Besucher anlocken soll.

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„Das alles ist sehr wichtig für die Entwicklung unseres Fremdenverkehrs“, sagt Braunlages Kurdirektor Christian Klamt mit Blick auf die stagnierende Entwicklung der vergangenen Jahre. 2010 buchten 177.000 Touristen ein Zimmer im Stadtgebiet oder dem Ortsteil Hohegeiß. Die Gäste blieben im Durchschnitt vier Nächte. Das hört sich gar nicht so schlecht an, kann aber, da ist Klamt ganz sicher, mit den geplanten Investitionen am Wurmberg „noch deutlich gesteigert“ werden.

Bürgermeister Grote und die anderen Kommunalpolitiker haben aber noch einen weiteren Grund zur Freude: Der Stadt sollen nämlich durch die Aufrüstung des Berges kaum Kosten entstehen. Der Betreiber der Wurmberg-Seilbahn hat angekündigt, die kalkulierten rund zehn Millionen Euro alleine, mithilfe externer Investoren sowie des Landes Niedersachsen. zu stemmen. Auf die chronisch klamme Kommune, die durch die kürzlich vollzogene Fusion mit St. Andreasberg nur einen Teil ihrer Schulden loswurde, kämen nur geringe Belastungen zu.

„Wir sollen die Planungskosten übernehmen“, sagt Grote. Diese seien schon in den Nachtragshaushalt eingeplant worden, über den der Rat noch im November abstimmt. Eine große Mehrheit gilt als sicher, denn fast alle Ratsmitglieder sind für das Vorhaben.

Auch im rund 40 Kilometer entfernten Hahnenklee wird für die kommenden Winter kräftig aufgerüstet. Der dortige Bocksberg soll zum „Erlebnisberg“ werden – neue Gondeln für die Seilbahn, längere Lifte und breitere, abends ausgeleuchtete Pisten sind geplant. Auch hier will man knapp acht Millionen Euro für die Neuerungen investieren. Dass Hahnenklee in den nächsten Jahren Wintersportler abwerben könnte, glauben sie in Braunlage aber nicht. „Konkurrenz belebt doch das Geschäft“, heißt es im Braunlager Rathaus.

Dennoch gibt es auch Kritik am Wurmberg-Ausbau. Die Planungen seien maßlos und völlig überzogen, urteilen Naturschutzverbände aus dem Westharz. Mit Millionen-Aufwand würden Natur und Landschaft und damit die Grundlagen des Harz-Tourismus zerstört.

In einer schriftlichen Erklärung bemängeln die Verbände unter anderem, dass bis zu 16 Hektar Wald für die neuen Pisten gefällt werden sollen. Auch vom wirtschaftlichen Erfolg des Vorhabens sind die Umweltschützer nicht überzeugt. Angesichts des Klimawandels mit immer wärmeren Wintern drohe das Wintersport-Projekt trotz Schneekanonen zu einer riesigen Fehlinvestition zu werden, befürchten sie.

(dapd/abendblatt.de)