Urteil im Prozess in Oldenburg

Urteil: Viereinhalb Jahre Haft für ehemaligen Küster

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Der ehemalige Kirchenmitarbeiter hatte mehrfach Jungen sexuell missbraucht. Jetzt muss er für viereinhalb Jahre ins Gefängnis.

Oldenburg. Ein ehemaliger Küster ist wegen schweren Missbrauchs von Kindern vom Landgericht Oldenburg zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt worden. Der 55-Jährige hatte laut Anklage zwei 12 und 13 Jahre alte Jungen mehrfach sexuell missbraucht. Es sei von weiteren Taten auszugehen, sagte der Vorsitzende Richter Dietrich Janßen am Freitag in seiner Urteilsbegründung. "Der Angeklagte habe sich bewusst oder unbewusst ein System geschaffen, dass Kinder immer wieder zu ihm gekommen sind.“

Ruhig und ohne Reaktion verfolgte der frühere Mitarbeiter einer evangelischen Kirchengemeinde in Wilhelmshaven die Urteilsbegründung. In einem letzten Wort hatte sich der homosexuell veranlagte Mann entschuldigt. "Mir tut es leid, alles was da passiert ist.“ Er wäre auch gerne auf Erwachsene zugegangen, aber er sei zu feige. Mit der Kirche hätten seine Taten nichts zu tun gehabt. "Ich hatte auch schon vorher Probleme.“

"Die Taten sind nicht unter Ausnutzung des kirchlichen Rahmens erfolgt“, sagte auch der Vorsitzende Richter. Der Angeklagte habe schon vor seiner Zeit als Küster Kontakte zu pubertierenden Jungen gehabt. Ausführlich ging Janßen in der Begründung darauf ein, wie der Angeklagte seine Opfer missbrauchte. In einigen Fällen bezahlte der Mann auch dafür. Der 55-Jährige hatte alle Handlungen an Kindern und Jugendlichen akribisch aufgeschrieben und archiviert. Die Unterlagen stellte die Polizei in seiner Wohnung im Gemeindehaus sicher.

Angeklagt worden waren 13 Fälle aus den Jahren 1998/1999 und 2009/2010, vier davon wertete das Gericht als schweren sexuellen Missbrauch von Kindern. "Das sind die Fälle, wo es zum Eindringen in den Körper gekommen ist“, sagte Janßen. Für die einzelnen Fälle verhängte das Gericht Strafen zwischen 8 Monaten und 2 Jahren, die zu einer Gesamtstrafe zusammengezogen wurden. Strafmildernd wertete die Kammer das umfassende Geständnis. Damit habe er den Kindern eine Aussage vor Gericht erspart, sagte Janßen.

Mit dem Straßmaß schloss sich das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft an. Sein Verteidiger hatte auf eine Freiheitsstrafe plädiert, die zweieinhalb Jahre nicht überschreiten sollte. Ob er in Revision gehen werde, sei noch offen, sagte Rechtsanwalt Andreas Baer. (dapd)