Swinemünde (dpa/mv). Nicht nur in TV-Krimis arbeiten Polizeibeamte aus Deutschland und Polen eng zusammen. Auch in der Wirklichkeit. Für Usedom wurde eine neue Einheit für gemeinsame Streifendienste gebildet.

Auf der Ostseeinsel Usedom wird künftig ein festes binationales Polizeiteam aus polnischen und deutschen Polizisten seinen Streifendienst aufnehmen. Die Einheit besteht aus je drei Beamtinnen beziehungsweise Beamten aus Polen und Mecklenburg-Vorpommern. „Was lange währt, wird endlich gut“, sagte Gunnar Mächler, Leiter des Führungsstabes am Polizeipräsidium Neubrandenburg, am Mittwoch in Swinemünde (Świnoujście) mit Blick auf die lange verfolgten Pläne. Die neue Einheit solle Usedom für Einheimische und Urlauber gleichermaßen sicherer machen.

Das Polizeipräsidium arbeitet bei dem Projekt mit der Woiwodschaftskommandantur der Polizei in Stettin (KWP) zusammen. Die 25 bis 48 Jahre alten Polizisten werden in den kommenden Monaten eine intensive Vorbereitungsphase unter anderem mit Sprachkursen und Rechtsseminaren etwa zum Betäubungsmittelgesetz sowie zu Waffenrecht oder Verkehrsrecht durchlaufen. „Ich hoffe, dass wir ab 1. Juni mit der Umsetzung unserer Aufgaben und den ersten deutsch-polnischen Streifenfahrten beginnen können“, sagte Grzegorz Sedzik von der KWP Stettin.

Als Vorbild für die Einheit diente das deutsch-polnische Team in Guben/Gubin in Brandenburg. „Wir mussten das Rad nicht neu erfinden“, so Mächler. In MV ist es laut Polizei das erste feste Team dieser Art. Es wird sich unter anderem um Anzeigenaufnahmen, Verkehrsüberwachung und die Sicherung von Veranstaltungen kümmern.

Die im äußersten Nordosten Deutschlands gelegene Insel ist mit 445 Quadratkilometern nach Rügen Deutschlands zweitgrößte Insel. Die Insel ist binational: 373 Quadratkilometer liegen auf deutschem Gebiet, 72 Quadratkilometer im angrenzenden Polen. Die gesamte Insel zählt 76.500 Einwohner - 45.000 leben in der Hafenstadt Swinemünde und 31.500 im deutschen Teil der Insel. Man müsse aber bedenken, dass im Sommer etwa 3,5 Millionen Touristen dazu kämen, sagte der zuständige Dezernatsleiter im PP Neubrandenburg, Alexander Stüwert. „Wir werden die ganze Insel Usedom im Blick haben.“

Bislang gab es monatlich nur vereinzelt gemeinsame Streifeneinsätze, die mit dem festen Team deutlich erhöht werden sollen. Auf deutscher Seite wird die Einheit ihren Sitz in Ahlbeck haben. Derzeit stellt MV zwei Beamte, der dritte wird bis 1. Juni folgen. Das Vorhaben erfolgt im Rahmen des Kleinprojektefonds (KPF) des Kooperationsprogramms Interreg VI A Mecklenburg-Vorpommern/Brandenburg/Polska 2021-2027 und erhält entsprechende Mittelförderung der EU. Für das neue Team wurden keine neuen Stellen geschaffen.

Stüwert betonte, dass bei der gemeinsamen Arbeit sicher auch Unterschiede bei der Wahrnehmung der Aufgaben sichtbar würden. Dabei gehe es auch um Standards und rechtliche Aspekte. Auch der Einsatz der Schusswaffen sei unterschiedlich geregelt. „Da gilt es, einen Gleichklang zu finden.“

Wirtschaftlich sind Polen und Mecklenburg-Vorpommern eng miteinander verbunden. „Polen nimmt aktuell wieder Platz 1 der wichtigsten Außenhandelspartner unseres Bundeslandes mit einem Volumen von 1,775 Milliarden Euro im Jahr 2023 ein“, sagte Wolfgang Blank, Präsident der Industrie- und Handelskammer Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern, am Mittwoch. Er verwies auf den am morgigen Donnerstag in Neubrandenburg stattfindenden „Wirtschaftstag Polen“.