Prora (dpa/mv). Prora auf Rügen ist ein besonderer Ort. Hier steht ein riesiger Bau aus der NS-Zeit, aber auch die DDR hinterließ ihre Spuren. Ein Verein, der über die Geschichte aufklärt, hat finanzielle Probleme.

Am geschichtsträchtigen Ort Prora auf Rügen ist ein Verein in Schwierigkeiten, der sich um die dortige DDR- und NS-Vergangenheit kümmert. Gläubiger hätten einen Insolvenzantrag gestellt, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Prora-Zentrums, Kerstin Kassner, am Dienstag. Grund sei, dass der Verein mit Zahlungen säumig sei. Um welche Art von Rechnungen es geht, wollte sie nicht sagen.

Das Prora-Zentrum ist nach eigenen Angaben einer von zwei Vereinen, die sich vor Ort maßgeblich um die Bildungsarbeit zur dortigen Vergangenheit kümmern, etwa mit Ausstellungen und Veranstaltungen.

Einnahmeausfälle während der Corona-Pandemie, Personal- und Energiekosten haben dem Verein laut Kassner zugesetzt. Sie zeigte sich aber optimistisch, dass man die Verbindlichkeiten noch bedienen könne und der Insolvenzantrag zurückgezogen werde. „Wir haben jetzt noch den Monat April Zeit, um Geld aufzutreiben.“ Es gehe um mehr als 10.000 Euro. Man setze etwa auf Spenden, habe aber auch das Land, das den Verein fördere, um Hilfe gebeten.

In Prora wurde im Nationalsozialismus zwischen 1936 und 1939 das 4,7 Kilometer lange Bad der „NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude“ gebaut. Die denkmalgeschützte Anlage sollte bis zu 20.000 Menschen Urlaub an der Ostsee ermöglichen. Prora wird neben NS-Bauten in Nürnberg zu den wichtigsten geschlossenen architektonischen Hinterlassenschaften der NS-Zeit gezählt. Die DDR nutzte das Gelände unter anderem für militärische Zwecke.

„Der Charakter von Prora hat sich in den zurückliegenden Jahren grundlegend geändert“, sagte Kassner. In großen Bereichen sind etwa Ferien- und Eigentumswohnungen mit Meerblick entstanden. „Aber es ist immer noch ein authentischer Ort des Nationalsozialismus, und deshalb sind wir der Meinung, dass wir dort auch diese Geschichtsarbeit unbedingt leisten müssen.“

Das Land hat einen Gebäudeteil gekauft und will dort ein Bildungs- und Dokumentationszentrum zur Geschichte Proras errichten. Vom Schweriner Kulturministerium hieß es, „die Vereine sind mit ihrer ausgewiesenen Expertise inhaltlich in das Projekt einbezogen. Das Projekt ist und bleibt aber ein Projekt des Landes und wäre bei einer etwaigen Insolvenz eines Trägers nicht gefährdet.“ Die Auseinandersetzung mit der Geschichte Proras habe eine große Bedeutung. „Prora ist ein Ort, der auch künftige Generationen über die jüngste deutsche Geschichte und die Zeit des Nationalsozialismus aufklären soll.“ Beim Insolvenzantrag handle es sich um „ein laufendes rechtliches Verfahren, das auch das Land in seinen Handlungsmöglichkeiten bindet und das zunächst abgeschlossen werden muss“.